Schubladen im Kopf – sind wir Vorurteilen machtlos ausgeliefert?

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Immer diese Polen, die klauen, Frauen, die nicht einparken können, Muslime, die Terroristen sind, Deutsche, die keinen Humor haben, Blondinen, die dumm sind. Diese Liste könnte endlos fortgeführt werden. Vorurteile sind stabile meist negative Meinungen vor allem über Menschen oder Gruppen, die von uns nicht überprüft wurden. Aber warum entstehen solche Klischeevorstellungen und vor allem: warum sind sie so langlebig und oft schwer als falsch kategorisierbar?

Im Grunde gibt es zu Vorurteilen keine allgemeine Zustimmung, sondern es handelt sich um individuelle, völlig subjektive Einstellungen und Meinungen. Oftmals sind diese auch bei anderen abgeschaut – bei den Eltern beispielsweise. „Meine Eltern sagen das, also ist das richtig“. In der Kindheit erlernt verhalfen sie uns dazu, die Welt zu begreifen, sie erstmal in die Guten und die Bösen einzuteilen. Und manche dieser Schablonen nehmen wir mit ins Erwachsenenalter. Begegnet uns nun ein neuer Mensch, so können wir diesen niemals in seiner Ganzheit erfassen. Stattdessen brauchen wir erst einmal eine Hilfestellung, sogenannte Muster oder Raster, wie es in der Vorurteilsforschung (Psychologie, Soziologie und Sozialpsychologie) heißt, in die wir den neuen Menschen einsortieren können. Diese Muster sind eben das, was wir schon kennen, was wir uns abgeschaut haben, was wir vielleicht auch schon erlebt haben. Diese Orientierungshilfen sind sogenannte Stereotype, also generalisierte Überzeugungen. Ein Vorurteil ist dann im nächsten Schritt die Interaktion zwischen Stereotyp und eigener Erfahrung. Die Stereotype als kognitive Komponente sind also die Basis zu Vorurteilen, der emotionalen Komponente. So entsteht ein (verfestigtes) Vorurteil.

Vorurteile sind meist eng mit dem eigenen Selbstbild, mit Eigennutz und Gruppenkonflikten verbunden. Das führt dazu, dass es häufig unmöglich ist, eine dritte objektive „Wahrheit“ zu finden beziehungsweise mit rationalen Argumenten zu überzeugen. Aus diesem Grund ist es wichtig, die eigene Meinung immer wieder auf drei wesentliche Punkte hin zu überprüfen: Ihre Rationalität (geprüftes Wissen?), Gerechtigkeit (behandle ich alle Menschen gleich?) und Mitmenschlichkeit (Empathie, Toleranz?). Trotzdem bleibt die Überwindung von Vorurteilen meist ein langwieriger Prozess des Umdenkens /-lernens, denn unser Gehirn trennt sich nicht gern von fest verankertem „Wissen“.

Medien erzeugen unsere Bilder im Kopf

Ein wichtiger Meinungsträger sind unter anderem die Massenmedien. Diese sind oft Entstehungsbasis eines Musters. Wir begegnen beispielsweise einem neuen Menschen und müssen ihn einsortieren. Sagen wir mal es handelt sich bei diesem Menschen um einen Amerikaner oder eine Amerikanerin. Eigentlich wissen wir nichts über Amerika und seine EinwohnerInnen, weil wir noch nie dort waren oder jemanden aus Amerika kennengelernt haben. Aber wir haben viel in der Zeitung gelesen. Trump zum Beispiel, den mögen wir nicht. Und Fastfood auch nicht, das kommt aber aus Amerika. Also nehmen wir diese Informationen als Grundlage der Bewertung über den neuen, uns gegenüberstehenden Menschen. Ein Vorurteil ist entstanden. Medien sind also Meinungsträger und das Internet somit mitunter verantwortlich für die massenhafte Verbreitung von Vorurteilen? Dass der Journalismus nicht mehr die klassische Stellung des Gatekeepers innehat, stellt ein großes Problem dar, da er hier mit der Abgrenzung gegen den „Bürgerjournalismus“ kämpfen muss. Nun ist es aber so, dass Stereotype nicht grundsätzlich etwas Schlechtes sind. Manchmal haben sie anfänglich sogar einen Nutzen: Sie vereinfachen komplexe soziale Konstrukte, verringern die Unsicherheit, schaffen Überschaubarkeit, stärken das Gemeinschaftsgefühl etc. Aber es wird schwierig, wenn es zur Entstehung des Vorurteils kommt. Die Schwierigkeit liegt dabei schon im Namen: Ein „Vor-urteil“ ist ein vorschnelles Urteil, ohne vorhergehende Reflektion und Überprüfung. Dass dieses meist nichts mit der Realität zu tun hat, konnte jede/r von uns wohl schon am eigenen Leib erfahren. Es ist eine tiefe gesellschaftliche Angst, in eine Schublade gesteckt zu werden, in die wir nicht gehören. Weil es nie so einfach ist. Weil die Kategorisierung immer eine Beleuchtung aus vielen verschiedenen Perspektiven benötigt.

Klischeefreier Leben

Unabhängig von den oben bereits beschriebenen drei Punkten, auf die hin wir unsere Meinung und unser Denken regelmäßig überprüfen sollten, gilt generell ein verantwortungsvoller Umgang miteinander. Wir sollten uns in unserem Urteil über andere mehr auf reflektierte Entscheidungen verlassen und weniger auf Bilder, die schon immer da waren und die wir weder anders kennen, noch überprüft haben. Das gilt für so viele Bereiche des Lebens – Extremismus, die Rolle von Mann und Frau, MuslimInnen in Deutschland, Rassismus generell, Berufsbilder – Erzieherinnen sind nur Frauen und Physik nur was für Nerds?, Entscheidungen, die wir aufgrund der Kleidung und des Äußeren treffen – um nur einige zu nennen. Lasst uns ein wenig in unseren Schubladen wühlen und Ordnung schaffen. Neues erfahren und Altes endlich aussortieren. Und vor allem: Lasst uns unsere Vorurteile bewusst machen, denn nur so können wir feststellen, dass wir ihnen nicht machtlos ausgeliefert sind und nur wir selbst an unserer Einstellung etwas verändern können.

WhatsApp. Das Ende einer Erfolgsgeschichte?

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Keine Werbung! Keine Spiele! Kein Schnickschnack! Mit diesem Grundsatz verhalfen die ehemaligen Yahoo-Entwickler Jan Koum und Brian Acton WhatsApp zu großem Erfolg. Seitdem gehört der beliebte Messenger auf jedem Smartphone praktisch zum Inventar. Mit insgesamt 1,5 Milliarden Nutzern weltweit (Stand Januar 2018) zählt der Dienst zu den Top 10 der am meisten heruntergeladenen und verwendeten Anwendungen. Doch nun könnte diese Erfolgsgeschichte ihr Ende finden, wenn eine vor Jahren vereinbarte Frist zum Monatswechsel abläuft.

Auch große Fische werden gefressen

Denn WhatsApp gehört schon lange nicht mehr den beiden Gründern. Der unerwartete Erfolg ihrer Entwicklung weckte die Begehrlichkeiten eines noch erfolgreicheren Unternehmens und so ging der Instant-Messaging-Dienst im Februar 2014 für insgesamt 19 Milliarden Dollar an das US-Unternehmen Facebook, zu welchem auch die Entwickler nach dem Verkauf ihrer App wechselten. Jan Koum bekam darüber hinaus einen Sitz im Verwaltungsrat von Facebook.

»WhatsApp wird autonom bleiben und unabhängig agieren.« Jan Koum

Um Acton und Koum zu einer schnellen Verkaufsentscheidung zu bewegen (denn auch Google zeigte an dem Messenger Interesse), war Facebooks Erfinder und Konzern-Chef Mark Zuckerberg zu großzügigen Zugeständnissen bereit. So sollte für die Dauer von fünf Jahren kein Druck auf die Entwickler ausgeübt werden, Geld mit ihrem Messenger zu verdienen, was diese dazu befähigen sollte, ihren Grundsatz fortzuführen.

Doch diese Frist ist nun abgelaufen und nachdem beide Gründer Facebook und damit auch WhatsApp verlassen haben, ist nun für das Unternehmen die Zeit gekommen, Geld mit ihrem teuer erkauften Messanger zu verdienen.

»Ich habe die Privatsphäre meiner Nutzer verkauft.« Brian Acton

Und so ist unterschiedlichen Meldungen zufolge damit zu rechnen, dass bereits kommenden Februar, also genau fünf Jahre später, Werbung im dem Bereich für die Statusmeldungen erscheinen wird, welcher bisher lediglich zum Teilen von Videos, Bildern sowie GIF-Dateien genutzt werden konnte und damit mit dem Story-Modus von Instagram und zu vergleichen ist.

Bleibt nur die Frage, welche Folgen eine solche Entscheidung mit Blick auf den Datenschutz haben könnte. Denn damit Werbung möglichst effektiv und teuer verkauft werden kann, sind Daten notwendig. Eine Menge Daten. Daten, die WhatsApp zu liefern imstande ist.

So erfährt es der Messenger, wenn wir unseren Freunden oder Bekannten davon erzählen, dass unser Fernseher kaputt ist, wir uns über ein bestimmtes Produkt unterhalten oder der Schwangerschaftstest positiv ausfällt. Hätten Unternehmen Zugriff auf all diese Daten, dann könnte jeder WhatsApp Nutzer bald mit Werbung konfrontiert werden, welche speziell auf dessen individuelle Bedürfnisse zugeschnitten und damit um ein vielfaches effektiver ist, als die Werbung für ein willkürlich ausgewähltes Produkt.

Um dies aber zu ermöglichen, müsste die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die bisher ein Mitlesen Dritter verhinderte, aufgeweicht werden. Und nach Aussage von Acton soll genau das geschehen. Dadurch will Facebook den Zugriff auf die zwischen den Nutzern ausgetauschten Inhalte erhalten. Denkbar wäre aber auch ein Austausch zwischen WhatsApp und Facebook, für den das Unternehmen bereits in der Vergangenheit kritisiert wurde.

Bis WhatsApp-Werbung aber auch auf unseren Handys erscheinen wird, wird es noch einige Monate dauern. So sollen vorerst indische iPhone-Nutzer von der Neuerung betroffen sein. Bis spätestens Mitte 2019 wird die Werbung jedoch alle 1,3 Milliarden Nutzern und damit auch die Nutzer von Android-Geräten erreichen, was auch die Nutzer in Deutschland einschließen wird. Was dies für die Zukunft von WhatsApp bedeuten könnte, bleibt abzuwarten.

Sebastian Brünnel, 1. FS

Bernd Ulrich über Journalismus in unruhigen Zeiten

Bernd Ulrich, stellvertretender Chefredakteur der ZEIT

Bernd Ulrich, stellvertretender Chefredakteur der ZEIT

Am 18.12.2018 war Bernd Ulrich, stellvertretender Chefredakteur der ZEIT, in Erlagen zu Gast. In seinem Vortrag “Journalismus als Anwalt der Demokratie” sprach er über Öffentlichkeit in unruhigen Zeiten.

Lieber Herr Ulrich, Sie sprechen in ihrem Vortrag über Journalismus in Zeiten der Unruhe und Veränderung. Die Gesellschaft wird den Medien gegenüber kritischer, und das Misstrauen wächst. Wie versucht man als Journalist, das Vertrauen der Bürger und Bürgerinnen dennoch zu gewinnen?

In unserem speziellen Fall wird unsere Leserschaft immer kritischer, aber ohne das Vertrauen zu uns zu verlieren. Wir genießen eine hohe Wertschätzung, was uns angeht. Und was uns auszeichnet, ist einmal die Haltung , dass wir nicht, wie das früher vielleicht üblich war, von oben herab schreiben, sondern auf Augenhöhe, dass wir einladend schreiben, dass wir den Leuten nicht vorschreiben, was niveauvolle Interessen und was weniger niveauvolle Interessen sind, sondern dass wir versuchen, das ganze Spektrum der Lebenswelt der Leserinnen und Leser abzubilden. Außerdem sind wir im ständigen Dialog mit ihnen: Wir machen Veranstaltungen, wir organisieren „Freunde der ZEIT“- das ist eine Veranstaltungsreihe -, wir laden sie ein in die Redaktion. Ich fahre – wie viele andere auch – die ganze Zeit durchs Land und halte Vorträge. Wir versuchen einfach, die Fühlung zu den Leserinnen und Lesern nicht zu verlieren.

Obwohl die Auflagen ihrer Konkurrenten in den letzten Jahren stetig sinken, zeigt sich bei der ZEIT das Gegenteil. Sie verkaufen mehr Zeitungen als je zuvor. Ist der eben genannte intensive Kontakt mit den Lesern ein Grund oder gibt es ihrer Meinung nach noch andere Gründe?

Was unseren Erfolg angeht, da sind wir auch ein bisschen demütig. Wir glauben nicht, dass wir das Geheimnis unseres Erfolges komplett kennen, da ist auch Glück dabei. Aber ansonsten sehe ich die Gründe in dem, was ich aufgezählt habe – dieser „Auf-Augenhöhe-Journalismus“; auch versuchen wir rechtschaffen zu sein und demütig. Und wir sind als ZEIT auch eine pluralistische Wertegemeinschaft, wir sind nicht nur eine Zeitung, die man so hat und dann weglegt oder so, sondern wir schaffen – glaube ich – auch eine Identifikationsmöglichkeit.

Stichwort Digitalisierung: Der Journalismus wurde gerade durch die Etablierung von Social Media von einer One-Way Kommunikation zu einem Dialog. Jeder User kann Artikel in Sekundenschnelle kommentieren und darüber urteilen. Wie ernst werden solche Userkommentare bei der ZEIT wirklich genommen, und wie reagiert man darauf?

Es sind ja viele verschiedene Kommentierungen. Es gibt sie als normalen Leserbrief, als E-Mail, es gibt die auf Twitter und Facebook, und es gibt die unter den Artikeln, die wir auf ZEIT Online veröffentlichen. Die Bandbreite ist sehr gemischt, und je nachdem, wie ernst gemeint und wie argumentierend sie sind, desto mehr beschäftigen wir uns damit. Gerade auf Online ist es oft so, dass am Anfang eine interessante Diskussion losbricht, und hinterher unterhalten sich die Herren – meistens sind das Herren – nur noch untereinander oder es geht so ein bisschen ins Unflätige, und dann lässt meine Aufmerksamkeit stark nach.

Sie sind nicht nur stellvertretender Chefredakteur der ZEIT, sondern auch Leiter des Politikressorts. Die Politik ist ständig im Wandel, und es gibt täglich neue Themen, über die man sprechen kann. Wie schafft man es, wenn man nach einem Arbeitstag nachhause kommt, wirklich abzuschalten?

Ich gönne mir systematisch Ruhe. Ich mache Yoga und Sport und ansonsten empfinde ich meine Arbeit nicht immer als Arbeit. Es gibt Dinge dabei, die sind wirklich Schwerstarbeit, die mache ich nicht so gerne, aber insgesamt würde ich wahrscheinlich auch dasselbe machen, wenn ich nicht dafür bezahlt würde.

Der Beruf des Journalisten verlangt einem viel ab. Hand aufs Herz – Welchen Beruf hätten sich ihre Eltern als Kind für sie gewünscht?

 Da ich das erste Kind in meiner Familie war, das Abitur gemacht hat, hatten sie, glaube ich, gar keine Fantasie, was ich machen könnte. Die kannten diese Welt nicht, in die ich da vorstieß.

Lena Baumann, 1. FS

Weihnachten für alle? Wie Muslime Weihnachten erleben

„Fröhliche Weihnacht überall!
tönet durch die Lüfte froher Schall.
Weihnachtston, Weihnachtsbaum,
Weihnachtsduft in jedem Raum! […]“

Weihnachtsmusik ist im Dezember jeden Jahres beinahe überall zu finden, denn so stimmen wir uns alljährlich auf Weihnachten ein. Aber ist Weihnachten tatsächlich auch in jedem Raum zu finden, wie das Lied besagt? Das ist vielleicht im Jahr 2018 in Deutschland nicht mehr ganz aktuell. So gibt es genügend Menschen, für die Weihnachten gar keine oder eine ganz andere Bedeutung hat. Viele von ihnen sind Zugehörige anderer Religionen. Muslime beispielsweise – im Spezifischen unsere Mitstudierenden Nudret und Elif. Beides gläubige Muslima. Im normalen Alltag spielt die Religion zwischen uns keine Rolle – aber an Weihnachten zieht es die meisten von uns nach Hause in den Schoß der Familie, um dort ein besinnliches Weihnachtsfest zu verbringen. Am 24. Dezember haben wir alle unsere ganz persönlichen Traditionen – die meisten stehen in Verbindung mit Geschenken, einem Weihnachtsbaum, gutem Essen, Kirche. Unterscheidungen von Familie zu Familie gibt es meist nur in den Details. Aber gilt das auch für Nudret und Elif? Feiern die beiden auch Weihnachten, so wie wir es kennen? Das haben wir uns gefragt….und sie direkt mal dazu interviewt.

1. Was machst du an Weihnachten (24. Dezember)?

Nudret: Dadurch, dass bundesweit für alle zur selben Zeit Ferien sind, feiern wir mit beziehungsweise freuen uns mit, sage ich jetzt mal. Dieses Jahr zum Beispiel findet drei Tage lang ein Treffen statt, bei dem wir zusammen in einer Moschee schlafen, wir lernen zusammen, kochen zusammen, lesen abends zusammen und so weiter. Das stärkt unsere Bindung zueinander, es werden neue Freundschaften geschlossen, man lernt auch noch was..das macht sehr viel Spaß und ich gehe gerne hin. Und das ist eben direkt am 24. Dezember. Da werde ich sein.

Elif: Ich mache nichts Besonderes an Weihnachten. Dadurch, dass es ein Feiertag in Deutschland ist, bin ich aber mit meiner Familie – das heißt meinen Eltern und meinem Bruder – zusammen. Ansonsten ist es ein ganz normaler Tag.

2.Was bedeutet die Weihnachtsvorbereitungszeit für dich? Gehst du zum Beispiel auch auf Weihnachtsmärkte?

Nudret: In der Weihnachtsvorbereitungszeit finde ich die Dekoration in den Städten sehr schön und durch die Rabattaktionen macht man ja irgendwie auch mit (lacht). Auf den Weihnachtsmarkt gehe ich auch immer sehr gerne, da gibt es ja auch super leckere Sachen – wir essen zum Beispiel immer gerne Waffeln, das ist ein „must-do“ bei uns. Ich backe außerdem auch immer Plätzchen zuhause in der Weihnachtszeit.

Elif: In der Weihnachtsvorbereitungszeit schaue ich immer den Film Kevin allein zuhause. Außerdem gehe ich sehr gerne auf Weihnachtsmärkte und mag insgesamt die Zeit gerne, weil sie harmonisch ist. Ich teile die Vorfreude, merke, dass die Stimmung anders ist und finde das schön.

3. Schenkst du deiner Familie oder Freunden was?

Nudret: Nein, wir beschenken uns nicht. Aber weil wie gesagt alle Ferien haben, trifft man eben alle – sowohl die ganze Familie als auch die Freunde…das ist für uns die Weihnachtszeit und das macht auch sehr viel Spaß. Wir haben zwar kein Weihnachtsbaum, aber wir genießen die Zeit und die Atmosphäre.

Elif: Nein, ich schenke nichts. Es ist eher ein Beobachten und Miterleben.

Second Life Fashion – Wie ein Startup alten Kleidern zu neuem Leben verhilft

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Vergangene Woche fanden die Nachhaltigkeitstage an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg statt. In der von „sneep“ organisierten und mehrere Tage andauernden Veranstaltungsreihe wurden Podiumsdiskussionen, Workshops und Vorträge zu den Themen Wirtschaft, Klima und Fashion angeboten. Beteiligt haben sich dabei nicht nur große Unternehmen wie H&M, BMW und Adidas, sondern auch das kleine Startup Second Life Fashion, das sich mit einem einzigartigen Geschäftsmodell gegen den blinden Konsum und für eine nachhaltige Zukunft verschrieben hat.

Das billige Geschäft mit „Fast-Fashion“

Wer häufiger bei den großen Modeunternehmen einkauft, dem mag dreierlei auffallen:  Die schnell wechselnden Kollektionen, die Schaufensterpuppen und Kleiderständer zieren, der niedrige Preis, der den Kauf zur Pflicht werden lässt, und schließlich die ersten kleinen Löcher, mit denen die erst kürzlich gekaufte Ware ihr Leben aushaucht.
Vor allem Textilriesen wie H&M, Forever21 oder Zara setzen auf das Geschäftsmodell „Fast-Fashion“. Durch eine hohe Fluktuation schnelllebiger Billig-Kollektionen sollen die Kunden dazu bewegt werden, die Filialen immer häufiger zu besuchen, um sich auf die vermeintliche Schnäppchenjagd zu begeben. Das Ziel: Gewinnmaximierung.
Der Gebrauchsartikel Kleidung wird zum Verbrauchsartikel degradiert, was dazu beiträgt, dass in Deutschland jedes Jahr ungefähr 750.000 Tonnen an alten Kleidern weggeworfen werden.

Von der Idee zum Startup

Um diesem verschwenderischen Trend entgegenzuwirken, gründeten die beiden Jungunternehmer Lisa und Florian Hagn 2016 ihr gemeinsames Startup Second Life Fashion. Für Lisa Hagn wurde damit ihr Hobby zum Beruf. Schon vor der Gründung ihrer eigenen Firma verkaufte sie ihre alten Kleider auf Modeplattformen wie Kleiderkreisel und ging dann dazu über, die gebrauchten Stücke ihrer Freunde für eine kleine Provision zu verkaufen. Damit war die Geschäftsidee war geboren.     

Das Geschäftsmodell – Ein Win-Win-Win-Projekt

Gebrauchten Kleidern ein zweites Leben schenken. Eine Idee, die zunächst ziemlich simpel wirkt, in der jedoch weitaus mehr steckt: Die jungen Unternehmer haben es sich zur Aufgabe gemacht, das schäbige Image von Second Hand Kleidung zu revolutionieren und das auf eine Art, durch die alle profitieren. So bilden nicht nur gespendete Kleider das stetig wachsende Sortiment von Second Life Fashion. Anders, als dessen Konkurrenz, ist das Startup dazu bereit, Kleidung in Mengen ab 15 Stück deutschlandweit zu einem verhandelten Preis anzukaufen, wofür es darüber hinaus auch die Versandkosten übernimmt.
Bevor die Ware aber zum Verkauf angeboten werden kann, wird sie auf ihre Qualität geprüft. Was Flecken oder Löcher hat, unangenehm riecht oder unvollständig ist, wird an den Absender zurückgesendet. Auch das gehört zur Geschäftsidee: Damit Second Hand Kleidung langfristig ein besseres Image erhält, werden nur ehemals teure Markenstücke für den Verkauf angeboten, die in einwandfreiem Zustand sind.
Wenn die Spenden die strengen Kriterien erfüllen, werden sie anschließend  etikettiert, aufbereitet und für den Onlineshop fotografiert. Dabei werden manche Stücke direkt zu kompletten Outfits zusammengestellt, was beweist, dass sich guter Style und Second Hand Mode in der richtigen Kombination nicht widersprechen müssen. Entscheidet sich eine Kundin dann für das Angebot, wird die Bestellung in einem letzten Schritt vorbereitet und ökologisch nachhaltig verpackt. So wird ungeliebter Kleidung ein neues Leben geschenkt, die Käufer erfreuen sich an schöner und nachhaltiger Kleidung und auch der Umwelt wird durch eine möglichst geringe Belastung ein Gefallen getan. Eine Win-Win-Win-Situation!

Sebastian Brünnel, 1. FS

Nachhaltigkeit – inzwischen nur noch eine Worthülse?

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Die Nachhaltigkeitstage der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg finden in diesem Jahr vom 26. bis 28. November statt. Initiiert haben das Projekt Studierende der Lokalgruppen von „student network for ethics in economics and practice“, kurz „sneep“. Angeboten werden Workshops, Vorträge und Podiumsdiskussionen zu den Themenbereichen Wirtschaft, Klima und Fashion. Wie sieht es aus mit der Nachhaltigkeit bei H&M? Wird die Ware so produziert, dass es ethisch und ökologisch vertretbar ist, sie zu kaufen? Auch auf so konkrete Fragen werden in einem Workshop Antworten gegeben und diskutiert.

Nachhaltigkeit als Prinzip der Verantwortung

Was bedeutet Nachhaltigkeit eigentlich? Laut Duden ist es “ein Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann.“ Es geht also um den Umgang mit endlichen Ressourcen. Dieser betrifft sowohl die Produktion in großen Unternehmen als auch die VerbraucherInnen, die auf dem freien Markt eben auch die freie Wahl haben. Wir alle treffen jeden Tag Entscheidungen, die nicht nur Auswirkungen haben auf uns, sondern vor allem auf das, was nach uns ist.
Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Prinzip, das den Verbrauch regelt, sondern vor allem ein „Prinzip der Verantwortung“, das bereits der Philosoph Hans Jonas angelehnt an Kants Kategorischen Imperativ im Jahr 1979 formuliert hat: „Handle so, daß die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf der Erde“. Bis heute kann diese Maxime ein guter Entscheidungsfinder sein.

Die Modebranche in der Kritik 

Vor allem die Modebranche stand und steht enorm in der Kritik. Seit den ersten Fabrikbränden in Bangladesch und anderen Ländern mit vielen Todesopfern wird der Branche vorgeworfen, keine Verantwortung für die Produktion der Ware zu übernehmen, mit der sie handelt. Am Pranger stehen vor allem Fast-Fashion-Konzerne wie Primark, Zara und H&M. Die Vorwürfe lauten: unzumutbaren Arbeitsbedingungen für NäherInnen im fernen Asien, Hungerlöhne, die nicht einmal das Existenzminimum sichern, Umweltbelastungen für Mensch und Natur. Nichts scheint abwegiger als der Gedanke, dass sich gerade solche Unternehmen mit nachhaltiger Produktion rühmen. Auf der Homepage von Primark beispielsweise aber kann man nachlesen, dass die Produkte mit Achtung vor dem Menschen und der Umwelt hergestellt würden. Wie passt das zusammen und wie soll das funktionieren? Seit 2017 sind größere Unternehmen dazu verpflichtet, einen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen. Es ist vor allem aus medienethischer Sicht interessant, zu beobachten, wie sich die Verwendung des Begriffes Nachhaltigkeit immer weiter entfernt von dem, wofür er eigentlich steht, nämlich für einen verantwortungsvollen Umgang mit Mensch und Umwelt.

Für das schwedische Textilhandelsunternehmen H&M (Hennes & Mauritz) ist das kein Widerspruch: Ein dialogorientiertes Konzept zwischen Management und ArbeiterInnen soll helfen, faire Löhnen zu realisieren. Nach eigenen Angaben klärt der Konzern die NäherInnen über ihre Rechte und ManagerInnen über ihre Pflichten auf. Demokratische MitarbeiterInnen-Vertretungen sollen die Stimmen der ArbeiterInnen stärken.

Konkrete Ziele, schwammige Antworten

Aus dem im Jahr 2017 veröffentlichten Bericht des Fast-Fashion-Konzerns geht unter anderem hervor, dass bis 2030 ausschließlich recycelte Materialien oder Materialien aus anderen nachhaltigen Quellen verwendet werden sollen. Dadurch entstünde eine Win-Win-Situation. Es werde verhindert, dass Ressourcen auf Mülldeponien landen, gleichzeitig werde der Verbrauch von neuen Rohstoffen reduziert, heißt es auf der Website. Das übergeordnete Ziel des Konzerns ist damit ein zirkuläres Modell.

Bereits jetzt sei es der H&M-Gruppe gelungen, recyceltes Polyester zu verarbeiten, welches der Menge von ungefähr 100 Millionen PET Flaschen entspreche, ist zu lesen. Und in der Tat: Der Bekleidungskonzern ist laut der Non-Profit Organisation „Textile Exchange“ auch der größte Abnehmer von nachhaltig produzierter Baumwolle. Außerdem gab es die erste nachhaltige Bademodekollektion und es wurde eine Absichtserklärung für existenzsichernde Löhne der ArbeiterInnen unterschrieben.
Auf den ersten Blick wirkt das alles sehr ambitioniert, und H&M muss auch etwas ändern. Es ist lange her, dass die Massen wegen einer Karl-Lagerfeld-Kollektion hysterisch in die Läden gestürmt sind. Zwar war die neue Moschino-Kollektion von Jeremy Scott, die er in einer Kollaboration mit H&M im November herausbrachte, nach wenigen Minuten ausverkauft, das ist aber vielleicht auch der erste Verkaufserfolg seit Langem, den das Unternehmen zu vermelden hat.
Der Konzern blickt auf ein unruhiges Jahr zurück: Es wurden Rassismusvorwürfe laut, und es gab einen massiven Shitstorm zu Beginn des Jahres, weil auf den Online-Kanälen des Konzerns ein dunkelhäutiges Kindermodel zu sehen war, das einen Pullover mit der Aufschrift „Coolest Monkey in the Jungle“ (auf Deutsch: Coolster Affe im Dschungel) trug. Die weltweiten Proteste kamen für den Konzern zur Unzeit, denn die Gewinne blieben schon seit Längerem hinter den Erwartungen zurück, die Aktie befand sich auf Talfahrt. In diesem Jahr gab es auch weniger Neueröffnungen, zudem schwächelt H&M im Vergleich zu Konkurrenten wie Zara im Onlinegeschäft. Das Konzept der trendigen, aber billigen Mode scheint für H&M nicht mehr aufzugehen.

So konkret die neuen Ziele des Konzerns auch sein mögen, so schwammig ist der Nachhaltigkeitsbericht: Vor allem in puncto Löhnen wurden konkrete Zahlen vermieden, und die angegeben Daten können nicht überprüft werden. Beispielweise ist unklar, inwiefern sich das „improved wage management system“ (übersetzt „verbesserte Lohnsystem“) des Konzerns in den Löhnen der ArbeiterInnen wiederspiegelt und wie sich der Lohn zu den Lebenshaltungskosten im jeweiligen Produktionsland verhält.
Zwar zeichnet sich im Nachhaltigkeitsbericht eine Strategie mit dem Willen zur Veränderung ab, jedoch fehlen konkrete Angaben. Die H&M-Gruppe, zu der auch Marken wie COS, & Other Stories und Weekday gehören, will etwas verändern und will seine KundInnen dazu bringen, die Mode des Konzerns nicht als Wegwerfprodukt anzusehen. Es bleibt fraglich, wie das einem Unternehmen gelingen soll, das sich mit einer veränderten Strategie erst wieder neu auf dem Markt positionieren und das Vertrauen der KundInnen zurückgewinnen muss.

Einen tieferen Einblick in die nachhaltige Entwicklung bei H&M gibt Hendrik Heuermann, Sustainability Manager, auf den Nachhaltigkeitstagen der FAU. Wer sich für das Thema interessiert, sollte sich mit einer umgehenden Anmeldung unter  www.nachhaltigkeitstage-fau.de noch einen Platz in dem Workshop sichern.

Beate Laurenti, 1. FS

Blockchain, Künstliche Intelligenz und haufenweise Kugelschreiber

Warum es sich lohnt, auf Messen zu gehen? Weil man mit großer Wahrscheinlichkeit mit einer Tasche nach Hause geht, die bis zum Rand voll mit Kugelschreibern, Flyern und Werbegeschenken von Firmen ist, die man bis dahin nicht kannte, oder umgekehrt: Man möchte von den bekanntesten Unternehmen der Branche einen Jutebeutel, einen Block oder etwas Anderes haben – schon des Namens wegen. Die Give Aways scheinen Grund genug zu sein, um sich auf einer Messe wie den MEDIENTAGEN MÜNCHEN einmal umzusehen.

Wie die Technisierung die Medienwelt verändert  

Mehr als 7000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer und etwa 400 Expertinnen und Experten: Die MEDIENTAGE MÜNCHEN sind Europas größter Medienkongress. Das diesjährige Motto „Engage! Shaping Media Tech Society“ wurde drei Tage lang in Panel-Diskussionen, Keynotes und im Rahmen des Expo-Programms diskutiert. Im Fokus standen dabei Themen wie Blockchain, Künstliche Intelligenz, China und Publishing. Wer jetzt mindestens einmal die Stirn gerunzelt hat, ahnt vielleicht schon, dass man auf Messen nicht nur Give Aways, sondern auch reichlich Input sammeln kann, über aktuelle Tendenzen in der schnelllebigen Medienbranche. Beispielsweise versteht man unter dem Buzzword Blockchain (auf Deutsch „Blockkette“) vereinfacht eine stetig wachsende Datenbank, die eine große Menge von Datensätzen sammeln, analysieren und verschlüsseln kann. Dadurch lassen sich verschiedene Inhalte genau einem Urheber zuordnen. Im Zeitalter von Fake News wurde daher auf den MEDIENTAGEN diskutiert, welchen Einfluss Blockchain auf die Glaubwürdigkeit von Medien haben kann.

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Medien zum Anfassen

Weniger kryptisch und mehr praktisch zeigt sich das Expo-Programm, das sich vor allem an Young Professionals und Studierende aus dem Bereich Medien und Kommunikation richtet. Die kongressbegleitende Messe bietet unter anderem die Möglichkeit, Virtual Reality auszuprobieren oder auch zu networken: In der Recruiting Area präsentieren sich Unternehmen wie die Mediengruppe RTL oder ProSiebenSat.1 als potentielle Arbeitgeber. Bei einem längeren Plausch springt vielleicht nicht nur ein mehr oder weniger nützliches Gadget, sondern möglicherweise sogar ein Praktikumsplatz oder ein Job als Werksstudentin oder Werksstudent heraus.

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Noch lockerer geht es auf dem Mediencampus zu, der sich in diesem Jahr als Medien Saloon im Wilden Westen präsentiert. Wer sich nicht gerade in Moderation oder Kameraführung üben will, der hat sich nach all den Ständen, Gesprächen und Informationen eine Auszeit beim Bullriding verdient. Nach einer kurzen Pause hat man dann auch wieder genug Energie, um an Workshops teilzunehmen oder auf der Bühne verschiedenen Vorträgen zu lauschen. Gerade für Studierende ist es interessant zu hören, wie nach dem Studium der Einstieg in den Job gelingt. Was man machen kann, um seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen, und was von den Bewerberinnen und Bewerbern erwartet wird, habe ich Gregor Schmalzried (BR) und Doris Grau (Antenne Bayern) gefragt.

Eine Frage, zwei Seiten

Gregor Schmalzried (23) hat Anglistik studiert, lange Zeit beim Campusradio m94.5 (ein Angebot der MEDIASCHOOL Bayern) gearbeitet und ist jetzt für den Bayerischen Rundfunk tätig. Auf den Medientagen hat er zusammen mit Kevin Schieber (Radio Bamberg) über das „Sprungbrett Campusradio“ gesprochen.

Herr Schmalzried, was braucht es, um den Sprung von der Uni in das Arbeitsleben zu schaffen?

Alle Leute, die ich kenne, die in ihrem Job wirklich gut sind, ob RedakteurInnen oder ModeratorInnen, zeichnen sich dadurch aus, dass sie wirklich viel machen. Jeder hat mindestens ein Projekt, das er neben seiner eigentlichen Tätigkeit stemmt. Damit will man nicht unbedingt Geld verdienen, man macht das einfach gerne, weil es einem weiterhilft. Sei es Schreiben lernen oder Sprechen lernen, auch vor Publikum. Das kann Poetry-Slam sein, man kann einen Blog haben, man kann einen Podcast mit seinem Freund starten, selbst, wenn das niemand hört und man nicht berühmt wird. Es ist einfach hilfreich über die klassischen – akademischen – Ausbildungswege hinaus seine Zeit in kreatives Arbeiten zu investieren und auch neue Ideen auszuprobieren. Das geht nur, wenn man seine Freizeit gerne in solche Dinge steckt.

Gregor Schmalzried, Kevin Schieber und Moderator Sven Goblirsch (v.l.n.r.)

Gregor Schmalzried, Kevin Schieber und Moderator Sven Goblirsch (v.l.n.r.)

Doris Grau arbeitet bei der Unternehmensgruppe Antenne Bayern im Bereich Personal- und Finanzwesen. Auf der Mediencampus Bühne gibt sie Tipps und Tricks für eine erfolgreiche Bewerbung. Auch sie betont, dass bei Antenne Bayern bei redaktionellen Berufen Audio-Erfahrungen bereits vor dem Ausbildungsstart von Vorteil seien. Egal, ob ein eigener Podcast oder ein Praktikum, vor allem letzteres dient oft als Sprungbrett.

Frau Grau, was erwarten Sie von jungen Leuten, die sich bewerben?   

Das Allerwichtigste ist, dass sie Lust darauf haben, im Job zu gestalten. In unserem Fall als Audio-Entertainment-Haus, dass sie Lust haben, die Audio-Welt von Morgen mitzugestalten, sie sich einbringen. Wir wollen sehen, was sie schon können, um mitzuwirken, und auch, dass BewerberInnen selbstkritisch sagen, was sie noch nicht können und dazulernen wollen. Wir wollen so zusammenarbeiten, dass sich die BewerberInnen auch weitentwickeln, in die Richtung, die wir uns beide vorstellen. Einfach der starke Wunsch, Dinge zu bewegen.

Doris Grau und Moderator Sven Goblirsch (v.l.n.r.)

Doris Grau und Moderator Sven Goblirsch (v.l.n.r.)

Am Ende eines langen Tages hatte ich jedenfalls beides: Haufenweise Kugelschreiber und einen wirklich interessante Tag, mit vielen Eindrücken. Wer sich für Medien interessiert, hat nächstes Jahr im Oktober wieder die Gelegenheit, die MEDIENTAGE MÜNCHEN zu besuchen.

Beate Laurenti, 1. FS

Eintauchen in eine fremde Religion – Interview mit dem Imam der Friedensmoschee Erlangen

Im Rahmen des Seminars „Islam in Medien und Öffentlichkeit“ von Dr. Najat Abdulhaq besuchen wir die Friedensmoschee in Erlangen und nehmen am Gebet der muslimischen Gemeinde teil. Da wir in dem Kurs neben den religiösen Grundlagen vor allem die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Islam in Medien und Öffentlichkeit erlernen, ist es wichtig, den Islam in der Öffentlichkeit selbst mitzuerleben und einen Imam und seine Gemeinde persönlich zu treffen. Für die meisten von uns ist der Besuch der Moschee die erste unmittelbare Erfahrung mit muslimischem Alltag. Den ganzen Vormittag sehen wir viel Neues und Unbekanntes. Da stellen sich uns natürlich viele Fragen. Nach dem Gebet erhalten wir die Chance auf die Beantwortung all dieser Fragen.

Wie groß ist die Gemeinde?

Wir haben eine feste Mitgliederzahl von 100 Leuten. Mit Besuchern sind es 400 bis 500 Menschen.

Woher nehmen Sie die Inspiration für ihre Predigten?

Ich lasse mich von dem Verhalten der Gemeinde inspirieren, aber auch von Hintergründen, welche die Gemeindemitglieder bewegen. Ich verwende theologische Themen aber auch alltägliche, die einen Bezug zu Jugendlichen, Frauen, Männern haben. Gemeindemitglieder machen Vorschläge und ich greife sie auf. Wenn in den Medien ein aktuelles Thema behandelt wird (Gewalt, Terror etc.), wird das auch in der Predigt diskutiert. Wir sind ein Teil dieser Gesellschaft und wollen dahingehend einen Beitrag leisten.

Was ist Ihr Eindruck von der aktuellen Berichterstattung über den Islam? Hat sich die Berichterstattung gewandelt?

Die Medien sind ein großes Problem. Sie zeigen nicht, wie die Gemeinden in Deutschland sind, sie zeigen nicht das wahre Bild der muslimischen Gemeinde in Deutschland. Sie zeigen, wenn es um den Islam geht, diesen als eine geschlossene Gemeinde, die sich nur mit sich selbst beschäftigt und sich nicht um die Gesellschaft kümmert und extremistische Gedanken hat. Solche Berichterstattungen stören uns wirklich sehr. Wir versuchen, diesem Bild entgegenzuwirken, indem wir mit unseren wissenschaftlichen Institutionen auf die Straße gehen, um zu zeigen, was uns wirklich ausmacht und wer wir sind. Wir arbeiten eng mit der Stadt zusammen und besprechen unterschiedliche Themen und Bereiche. Aber die Medien selbst sind noch nicht auf uns zugekommen. Dafür ist der Vorstand der Moschee zuständig.

Sie kommen ursprünglich aus Ägypten. Wie sind Sie nach Deutschland gekommen und was hat Sie dazu bewegt?

In Kairo habe ich an der Azhar Universität fünf Jahre studiert. Dort gibt es eine Abteilung Islamwissenschaft für verschiedene Sprachen – Und ich habe Deutsch gewählt. Anschließend war ich zwei Jahre als Imam in Ägypten tätig. Danach wollte ich mein Studium weitermachen und bin 2002 nach Freiburg gekommen. Ich habe dort Religionsgeschichte und Islamwissenschaften studiert und auch meinen Magister gemacht. Nach dem Studium habe ich Arbeit gesucht und seit Anfang 2010 wurde ich dann hier in Deutschland als Imam tätig.

Gibt es ein (Auswahl-)Verfahren, um Imam in Deutschland zu werden? Wie ist generell das Verfahren Imam einer Gemeinde zu werden?

Als Entsandter hierherzukommen ist eher selten. In Deutschland gibt es nur einen entsandten und von der Regierung finanzierten Imam. Ich bin nicht über ein Auswahlverfahren hergekommen. Ich bin kein Entsandter aus Ägypten, sondern habe mir mein Studium hier selbst finanziert und bin aus privatem Antrieb hergekommen.

Das Auswahlverfahren liegt in der Verantwortung des Vorstands der Gemeinden. Wenn eine Gemeinde einen Imam braucht, dann suchen sie einen, der qualifiziert ist. Er muss bestimmte Sachen vorweisen, er muss den Koran kennen, eine theologische Ausbildung haben und muss auch eine Probezeit als Imam durchlaufen. In türkischen Moscheen ist es anders, die Imame werden von der Regierung nach Deutschland geschickt.

Das Interview führte Janina Süß, 1. FS

Warten auf… ja, auf wen eigentlich?

Na, klingelt bei euch heute Abend ein Glöckchen und das Christkind war da? Oder stellt ihr eine Tasse Kakao für den Weihnachtsmann auf den Kaminsims? Wer auch immer zu euch kommt und die Geschenke bringt: Es bleibt die Frage, welchen Ursprung diese Bräuche haben.

girl-angel-1022595_960_720Goldblonde, lange Locken und ein weißes Glitzerkleid – so stellt man sich das typische Christkind vor. Der Brauch gilt als  protestantischer Gegenentwurf zum katholischen Nikolaus und ist – wie die Reformation selbst – bereits 500 Jahre alt. Für Katholiken bringt hingegen der Nikolaus am 6. Dezember die Geschenke und das schon seit dem 6. Jahrhundert. Die Bescherung am Heiligen Abend gibt es so, wie wir sie kennen, erst seit der Reformation. Denn die Protestanten brechen damals mit der Heiligenverehrung und bestehen auf eine Bescherung am Heiligen Abend statt am Todestag des Heiligen Nikolaus. Martin Luther erfindet den „Heiligen Christ“ als Gabenbringer, so dass auch Protestanten an Weihnachten Bescherung feiern können. Zu Beginn taucht das Christkind noch zusammen mit dem Nikolaus auf. Katholiken behalten das Schenken am Nikolaustag noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts bei.

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Der Weihnachtsmann entsteht  – ungefähr gleichzeitig zum Christkind –  ebenfalls im 16. Jahrhundert, jedoch ohne christlich-biblischen Hintergrund. Nur das Aussehen des Weihnachtsmanns erinnert an einen christlichen Aspekt: denn er ähnelt dem Nikolaus sehr. Das heutige Bild mit weißem, langen Rauschebart und rot-weißem Kostüm geht auf eine Werbekampagne des Coca-Cola-Konzerns zurück. Seit 1932 ersetzt diese Werbefigur nun in vielen Regionen das Christkind.

Und wer kommt jetzt zu wem?

Weltweit kann keine feste Grenze zwischen Weihnachtsmann und Christkind gezogen werden. Regionale Befindlichkeiten in Deutschland sprechen aber für sich: Das Christkind besucht vor allem Haushalte in West-, Südwest- und Süddeutschland. Der Weihnachtsmann beschert vor allem Kinder in Mittel-, Nord- und Ostdeutschland.

Woher man das weiß? Mittlerweile wissen das Suchmaschinen! Das Suchvolumen nach dem Weihnachtmann liegt in Sachsen bei 100 Prozent, während Onlinerecherchen im Süden, v.a. in Bayern, ausschließlich das Christkind betreffen.

Wer nun auch immer bei euch heute Abend zu Besuch kommt: Genießt die Feiertage mit euren Liebsten und lasst uns gemeinsam die Geburt Christi feiern– ob ihr nun nach dem Christkind läutet oder den Weihnachtsmann auf ein Heißgetränk einladet. Frohes Fest!

Tina Stanzel, 1. FS

Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum…

wie grün sind deine Blätter: Jedes Jahr vor Weihnachten erwacht er wie aus einem Sommerschlaf. Der Weihnachtsbaum, Christbaum oder schlichtweg Tannenbaum. Alles scheint nur auf ihn gewartet zu haben. Weihnachtsbaumständer und Christbaumschmuck werden hervorgekramt; Lichterketten, Glaskugeln, Strohsterne, kleine rote Äpfelchen, Figuren, Lametta und Süßigkeiten. Jedes Jahr beginnt das gleiche Prozedere: Hat der Weihnachtsbaum heute noch eine Bedeutung?

Der Tannenbaum erscheint wie ein heidnischer Weihnachtsbrauch, der über die Jahre zur Weihnachtsroutine erstarrt ist. Der Tannenbaum darf nicht fehlen, ob im Baummarkt nebenan gekauft oder selbst geschlagen wie Familie Griswold in „Eine schöne Bescherung“. Irgendwo müssen die Geschenke ja abgelegt werden, oder?

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Oder warum stellen wir zu Weihnachten einen Tannenbaum auf?

Der Brauch, einen Baum zu bestimmten Festtagen zu schmücken, reicht bis ins Mittelalter zurück. So kennen wir Maibäume, um die am 1. Mai getanzt wird, oder Richtbäume, die den fertiggestellten Dachstuhl verzieren. Der Tannenbaum zu Weihnachten hat seine ganz eigene Geschichte. Weihnachten galt als kirchlicher Gedenktag Adams und Evas. Zu diesem Anlass wurde im Mittelalter die Paradiesgeschichte (1.Mose 2-3) aufgeführt.

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Der Weihnachtsbaum war ursprünglich ein Laubbaum.

Die Geschichte in Kürze:
Bei Adam und Eva im Paradies befand sich der Baum der Erkenntnis. Gott hatte ihnen verboten, die Früchte dieses Baumes zu essen. Eine hinterlistige Schlange überredete Eva und Eva überredete wiederum Adam, die Frucht des Baumes zu essen. Das hatte natürlich Folgen. Die weitreichendste war, dass sie von Gott aus dem Paradies fortgeschickt wurden. Das ist die Geschichte des sogenannten Sündenfalls.

Die Paradiesgeschichte erzählt, wie die Sünde in die Welt kam. An Weihnachten feiern wir die Geburt von Jesus Christus. Denn Gott hat Jesus auf die Welt gesandt, damit er uns von den Folgen des Sündenfalls befreit. Darum feiern Christen auf der ganzen Welt Weihnachten.

In den weihnachtlichen Aufführungen der Paradiesgeschichte symbolisierte der Apfel die Frucht des Baumes der Erkenntnis: Die Frucht, die Eva so frisch, lecker und verlockend erschien. Diese Frucht hing also an einem Apfelbaum.

Du grünst nicht nur zur Sommerzeit, nein, auch im Winter, wenn es schneit.

Ja, Laubbäume verlieren im Winter ihre Blätter. Die Vorstellung, dass ein kahler Baum verlockende Äpfel trägt, passte nicht ins Bild. So wurde aus dem paradiesischen Baum ein grüner Tannenbaum.

Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter!

Heutzutage scheint die Bedeutung hinter dem Tannenbaum weitestgehend verloren gegangen zu sein. Der Tannenbaum dient eher der Dekoration und die richtige Auswahl wird entscheidend: „Das Ding würde nicht mal in unseren Garten passen!“ Deswegen immer daran denken, was Clark Griswold seinem Sohn antwortet: „Der soll ja auch nicht in unseren Garten, Rusty, er soll ins Wohnzimmer.

Oh Tannenbaum!

Jasmin Jäger, 1. FS