Druckerschwärze, Online-Ausgaben und Berichte vor Ort

Am Mittwochabend besuchten wir die Druckerei und Redaktion der Nürnberger Nachrichten und waren so live an der Erstellung einer Donnerstags-Ausgaben beteiligt. Neben viel recyceltem Altpapier und Fußballberichterstattung waren wir auch bei der inhaltlichen Ausgestaltung der Zeitung beteiligt.

2.600 km Papier für ein Wochenende

Der Lärm der ratternden Metallketten ist ohrenbetäubend, ein starker Geruch von Druckerschwärze liegt in der Luft. Wir befinden uns etwa drei Meter unter dem Grundwasserspiegel und über unseren Köpfen bewegen sich an gelben Klammern Stück an Stück Ausgaben der Nürnberger Nachrichten durch den großen Raum. „Die Produktionsketten haben eine Gesamtlänge von etwa vier Kilometer“, erklärt uns Manfred Burger das Geschehen um uns herum. In verschiedenen Maschinen werden die Mantel-, Regional- und Lokalteile der Zeitung zusammengelegt, um am Ende ein etwa 32 Seiten dickes Exemplar zu ergeben.

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Der gelernte Schriftsetzer führt uns durch alle Bereiche der Druckerei und erzählt uns Grundlegendes zur Entstehung der Zeitung. „Früher funktionierte der Druck wie ein Kartoffelstempel im Kindergarten“, gibt er ein alltagspraktisches Beispiel. Nur die hervorgehobenen Teile einer Druckplatte wurden mit Farbe versehen und brachten die Druckerschwärze auf das Papier. 2003 erfolgte dann die komplette Umstellung auf Offset-Druck. Das heißt, dass eine etwa 0,3 mm dicke Aluminiumplatte belichtet und somit zum Träger einer der vier Farben Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz wird. Da man für eine bunte Zeitungsseite jedoch vier Farbplatten braucht, fällt ein hoher Materialverbrauch an. „Die Platten sind bei den Metallwarenhändlern begehrt“, erläutert Burger den weiteren Werdegang der Einmalprodukte. „Es kann gut sein, dass Sie eine unserer Druckplatten in Form einer Alufelge oder einer Konservendose wiederfinden“, beschreibt er die nachhaltige Produktionskette des Unternehmens.

Nachhaltigkeit ist auch bei den Papierrollen ein Thema. Die meisten der Packen, die rund 20.000 m. Recyclingpapier umfassen, werden in Augsburg geschöpft. Eine Wochenendausgabe benötigt rund 2.600 Kilometer Papier. „Zu den 80% Altpapier kommen noch einmal 20% Abfälle aus der Holzwirtschaft, um dem Papier die nötige Struktur und Festigkeit zu geben“, sagt Burger mit Verweis auf die großen runden Rollen. Eine davon wird gerade von dem ferngesteuerten Roboter „Karl-Heinz“ aufgenommen, um zu einer der Druckmaschinen gefahren zu werden. Hier werden 43.000 Zeitungen pro Stunde gedruckt, der Nachschub mit Papier ist somit entscheidend für die reibungslose Produktion. „Kommt es während der Verarbeitung zu einem Papierriss, hat es einen Zeitausfall von mindestens 15 Minuten zur Folge“, beschreibt er uns die enge zeitliche Taktung im Betrieb. Aber die festangestellten Mechatroniker sorgen für eine ständige Wartung der Druckmaschinen und somit einen reibungslosen Ablauf.

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230.000 Exemplare pro Nacht

Nachdem die Zeitungsteile zusammengelegt worden sind, werden sie noch mit Werbematerial versehen. „Die Auftraggeber lassen es vermutlich kostengünstig in Osteuropa drucken, dann wird es hierher nach Nürnberg gefahren und maschinell einsortiert“, erklärt Burger. Da der niedrige Abonnementenpreis nur 40% der Kosten deckt, ist die Zeitung auf die Werbeeinnahmen angewiesen. Dann werden die einzelnen Ausgaben zusammengepackt, mit Beipackzetteln für die weitere Verschickung versehen, in Folie verpackt und gebunden. Die ersten Exemplare verlassen per LKW den Vertrieb, werden dann auf kleinere Transporter umverteilt, bis sie schließlich bei den einzelnen Zustellern ankommen. „Unser Verteilungsgebiet umfasst Mittelfranken, Teile Oberfrankens und der Oberpfalz“, erläutert Alexander Jungkunz, Chefredakteur der Nürnberger Nachrichten. „Die erste Ausgabe wird gegen 21 Uhr gedruckt, damit sie bei unseren rund 60 km entfernt wohnenden Kunden in Rothenburg o.d. Tauber morgens um 6 Uhr m Briefkasten liegt“, beschreibt er das Zeitmanagement. Etwa 230.000 Exemplare würden im gesamten Gebiet verteilt, gut 3.500 Stück auch per Post versandt.

Wie der Inhalt dieser 230.000 Zeitungen zustande kommt, zeigt uns Jungkunz im Großraumbüro Newdesk des Gebäudes. Hier findet die Tagesplanung der jeweiligen Ressorts der Nürnberger Nachrichten sowie der Nürnberger Zeitung und nordbayern.de statt. Der Vorteil der rund 50 Arbeitsplätze mit den kurzen Wegen sei eine bessere Kooperation untereinander. „Vor allem der Austausch zwischen Online und Print ist essenziell für uns“, verweist Jungkunz mit Hinblick auf sekundenschnelle Berichterstattung aus dem Stadtrat oder dem Stadion. Mit dem Stadion beschäftigt sich auch Tobias Lang, der für die Online-Redaktion das Spiel vom 1. FCN und Kaiserslautern um den DFB-Pokal auf einem Großbildschirm verfolgt. Anhand der Klicks könne man feststellen, wie viele Nutzer den Artikel online läsen. „Die Bildstrecke zur Christkind-Wahl hat in 30 Minuten etwa 2.200 Klicks bekommen“, zeigt er uns auf seinem Bildschirm. Aber im Vergleich zu sonst sei heute eher ein klickarmer Tag, bilanziert er.

Drei unterschiedliche Versionen einer Ausgabe

Georg Escher beschäftigt sich auf der Weltspiegelseite gerade mit einem Urteil zur Jugendgefährdung eines Bushido-Albums. Das Textfeld, im Fachjargon „Karton“ genannt, ist hellblau umrahmt, was bedeutet, dass es gerade bearbeitet wird. Ist ein Artikel fertig korrigiert, erscheint er in grüner Farbe. Ist der Text hingegen zu lang, wird er rot markiert. „Alles im grünen Bereich“ ist also die positive Aussage eines Zeitungsredakteurs. Dass es im Bereich Innen- und Außenpolitik aber auch sehr schnell und stressig zugehen kann, erkennt man an den ständigen Abfragen aus aller Welt, die seitlich seines Bildschirms erscheinen. Nachdem er etwa einen Artikel zu Verfassungsgesprächen der verfeindeten Syrien-Parteien in Genf eingefügt hat, erscheint eine Meldung zur Plagiatsdebatte von Familienministerin Giffeys Doktorarbeit. „Welche Artikel aus dem Politikbereich soll man aufgrund dieser aktuellen Meldung rausnehmen?“, fragt er uns. Nach längerem Abwägen ersetzt er den Text um die Gespräche in Genf mit der Nachricht, dass Frau Giffey ihren Doktortitel behalten darf. „Die Ausgabe B, die als erstes gedruckt wird, hat noch den Syrien-Artikel“, verrät Escher uns. Das heißt, Leser in Rothenburg o.d. Tauber erhielten die „ältere“ Printausgabe von 19 Uhr, während die Menschen in Erlangen die um 20:30 Uhr aktualisierte Version mit dem Giffey-Text in den Briefkasten bekämen. „Im Laufe eines Abends gibt es durchschnittlich drei unterschiedliche Versionen einer Zeitungsausgabe“, sagt er. An die jeweiligen Meldungen komme man in der Region durch festangestellte oder freie Mitarbeiter, skizziert Escher die Beschaffung von Informationen. „In Berlin, London oder Istanbul haben wir eigene Korrespondenten vor Ort“, erklärt er. Für alles, was auf anderen Kontinenten passiere, sei man auf andere Nachrichtenagenturen angewiesen, für deren Beiträge man als NN zahlen müsse. „Die Stärke der Nürnberger Nachrichten liegt in ihren lokalen Vernetzung vor Ort“, verrät er uns. So liefere man den einheitlichen Mantelteil, während rund 20 Lokalredaktionen, etwa in Pegnitz, Bad Windsheim oder Hilpoltstein für die Ereignisse vor Ort zuständig seien.

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Ein herzliches Dankeschön an alle Verantwortlichen für die vielseitigen und praxisnahen Einblicke. Auch für das schöne Panorama von der Dachterrasse aus hin zur erleuchteten Kaiserburg…

Daniel Schneider, 1.FS

Reformationstag – Die Luther-Legende

Mit wuchtigen Schlägen hämmert Martin Luther (gespielt von Joseph Fiennes) ein handbeschriebenes Blatt Papier ans Portal der Schlosskirche Wittenberg, so dass der ganze Sakralraum davon widerhallt. Dies ist eine der wichtigsten Schlüsselszenen im Kinofilm „Luther“ (2003). Doch den Anschlag der 95 Thesen am 31. Oktober 1517 hat es in dieser Art vermutlich gar nicht gegeben.

Martin Luther (1483-1546)

Der Hintergrund

Seit 1514 lehrte der Augustinermönch Martin Luther als Theologieprofessor an der Universität Wittenberg. Wie viele Theologen vor ihm – z. B. John Wyclif (1330-1384) in England oder Jan Hus (1370-1415) in Böhmen – wünschte er sich eine Veränderung, eine Reform der römisch-katholischen Kirche. Er kritisierte vor allem den Ablasshandel. Das war die Praxis, dass Gläubige sich mit Geld die Zeit im Fegefeuer verkürzen, sich also von ihren Sünden freikaufen konnten. Die Einnahmen, die Papst Leo X. aus dem Ablasshandel erhielt, sollten zum Bau des Petersdoms in Rom genutzt werden. Ähnliche monetäre Interessen verfolgte auch der Erzbischof von Mainz, Albrecht v. Brandenburg. Dieser benötigte das Geld, um seine Schulden bei dem Bankhaus der Fugger zurückzuzahlen. Er hatte sich 20.000 Gulden geliehen, um sich die Bischofswürde zu erkaufen (Simonie). Schon bald reiste der Dominikanermönch Johann Tetzel in Albrechts Bistum umher und forderte die Bevölkerung auf, um ihr Seelenheil willen Ablassbriefe zu erwerben.

Ablassbrief

Die 95 Thesen

Martin Luther setzte sich in den auf Latein geschriebenen 95 Thesen mit dem Ablasshandel auseinander. So kritisierte er in These 27 die Ablassprediger: „Lug und Trug predigen diejenigen, die sagen, die Seele erhebe sich aus dem Fegfeuer, sobald die Münze klingelnd in den Kasten fällt.“ Dem setzte Luther die wahre Reue entgegen: „Jeder wahrhaft reumütige Christ erlangt vollkommenen Erlass von Strafe und Schuld; der ihm auch ohne Ablassbriefe zukommt“ (36) und sprach den Abläsen ab, selbst die kleinste der lässlichen Sünden tilgen zu können (76). Schlussendlich griff er auch Papst Leo X. selbst an: „Warum baut der Papst, dessen Reichtümer heute weit gewaltiger sind als die der mächtigsten Reichen, nicht wenigstens die eine Basilika des Heiligen Petrus mehr von seinen eigenen Geldern als von denen der armen Gläubigen?“ (86).

Am 31. Oktober 1517 schrieb Luther einen Brief an den Mainzer Erzbischof, dem er die 95 Thesen beifügte. Ebenso sandte er sie an verschiedene Gelehrte, um eine öffentliche Debatte um das Ablasswesen anzuregen. So kam es, dass die Thesen in Nürnberg, Leipzig und Basel in Druck erschienen und schließlich auch ins Deutsche übersetzt wurden.

Die Folgen

1518 verfasste Luther den auf Deutsch geschriebenen Sermon von dem Ablass und Gnade, in dem er darlegte, dass der Ablass für die Befreiung aus dem Fegefeuer weder in der Schrift begründet sei, noch dem Menschen guttäte, da nichts Gutes mehr bliebe, was man tun könne. Diese Druckschrift fand in der Bevölkerung einen gewaltigen Absatz.

Der Mainzer Erzbischof schickte die 95 Thesen an Papst Leo X. weiter und die sächsischen Dominikaner klagten Luther in Rom wegen Ketzerei an. Im Oktober wurde Luther auf dem Reichstag in Augsburg vom päpstlichen Abgesandten Cajetan verhört. 1520 wurden 41 Sätze aus seinen Schriften vom Papst verdammt und Luther selbst kurze Zeit später exkommuniziert. Im April 1521 sollte er sich auf dem Reichstag in Worms vor dem neuen Kaiser, Karl V., verteidigen. Da er seine Haltung jedoch nicht widerrief, wurde die Reichsacht über ihn verhängt, die er im Exil auf der Wartburg verbrachte.

Acht Jahre später, auf dem Reichstag in Speyer (1529) protestierten sechs Fürsten gegen die Ächtung Luthers und für die freie Verbreitung des neuen Glaubens – die Geburtsstunde des Protestantismus.

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Daniel Schneider, 1 FS

Die Welt von morgen, Haltung im Journalismus und der Einstieg in die Berufswelt

Vom 23 bis 25. Oktober 2019 fanden die 33. MEDIENTAGE MÜNCHEN, Europas größter Medienkongress, statt. In einem breit gefächerten Mix aus Vorträgen, Workshops und Bühnenprogramm gaben Expertinnen und Experten aus der Medienbranche unter dem Motto „NEXT DIGITAL LEVEL“ Einblicke in aktuelle Umbrüche und Herausforderungen. Themen waren u.a. neue Entwicklungen mittels Künstlicher Intelligenz, die ethische Haltung von Journalisten in Zeiten von Populismus und Fake-News sowie Tipps und Tricks für den Berufseinstieg.

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Die Welt in 21 Jahren

Einen Blick in die Zukunft ermöglichte der Vision Talk von Cihan Sügür (Porsche AG) und Thomas Richter (Consultant) unter dem Titel „Unsere Welt 2030“. Sie sprachen über Projekte wie „Health Tunes“, bei der eine Künstliche Intelligenz (KI) versucht, mit Ergebnissen aus der klinischen Musiktherapie, depressive Verstimmungen mittels ausgewählter Audiodateien zu reduzieren. Ein weiterer Punkt war eine Weiterentwicklung des Schlafphasenweckers. Er basiert darauf, dass man nachts das Smartphone unter das Kopfkissen legt, so dass eine App die optimale Aufwachphase ermitteln und den Weckruf aktivieren kann. Die Zukunftsvision bezog sich auf die Möglichkeit, anhand einer weiteren App die eigenen Träume programmieren und steuern zu können. Jedoch entspann sich daran eine ethische Debatte, ob die neoliberale Denkweise der Selbstoptimierung auch in so private Bereiche wie den Schlaf übernommen werden sollte oder ob man in dieser Zeit „einfach einmal nichts tun“ dürfe. In eine ähnliche Richtung ging die Diskussion um das geplante Car-Entertainment von Porsche und Holoride, bei dem sich das Virtual-Reality-Spiel des Beifahrers an den Fahrbewegungen des Autos orientiert. Kritikpunkt war die totale Mediatisierung der menschlichen Lebenswelt aufgrund der kapitalistischen Marktlogik. Eine weitere ethische Fragestellung ergab sich schließlich anhand künftiger 3D-Drucker, mit denen in Bälde auch Metallteile gedruckt werden könnten. Bedenkt man, dass ein judenfeindlicher Schütze am 14. Oktober in Halle zwei Menschen mit einer aus einem 3D-Drucker stammenden Maschinenpistole erschoss, birgt diese Zukunftsvision in gewissen Bereichen auch Gefahren.

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Über aktuelle Forschungsschwerpunkte von KI und Medien sprach Prof. Dr. Roland Frank von der Media Design Hochschule München. Er erläuterte den Einsatz von KI bei einem gemeinsamen Programm der Bertelsmann-Stiftung und RTL. Solle ein Journalist etwa einen TV-Beitrag über eine Filmpreisverleihung in Hollywood halten, hätte aber keine Ahnung von den auftretenden Prominenten, helfe das Programm weiter. Während die Kamera die Personen auf dem Roten Teppich filme, liefere die KI per Gesichtserkennung in sekundenschnelle die Namen der abgebildeten Menschen. Ebenfalls verlinke sie den Namen mit allen in der Mediathek enthaltenen Dateien, so dass mit einem Klick alle Filme des Akteurs aufgerufen werden könnten. Somit sei Medienberichterstattung in kürzester Zeit möglich.

Haltung im Journalismus

Die verantwortungsvolle Haltung von Journalisten wurde in einer Diskussion zwischen Alexandra Borchardt (Reuters Institute for the Study of Journalism, Oxford), Tanit Koch (Chefredakteurin RTL) und Thomas Hinrichs (Informationsdirektor BR) thematisiert. Borchardt sah „Haltung“ als das ständige Hinterfragen der Journalisten in Bezug auf die Verantwortung gegenüber dem Publikum. Darüber hinaus forderte sie eine neue Redaktionskultur, die mehr Pluralität und Diversität ermögliche. Koch kritisierte, dass der Journalismus in Deutschland zu mittig sei, man aber die ganze politische Bandbreite der Bevölkerung abdecken müsse. Stattdessen forderte sie einen verstärkten Kampagnenjournalismus, der offen zeige, welchen politischen Standpunkt der Journalist oder seine Medienagentur vertrete. Hinrichs erläuterte, dass Journalisten klare Regeln zu vertreten hätten und zwar die einer sachlichen Haltung auf dem Boden des Grundgesetzes. Themen seien z.B. Gleichstellung von Frau und Mann oder europäische Integration. In diesem Sinne seien Medien in der Tat nicht neutral, sondern dem Grundgesetz verpflichtet.

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Als Einsteiger in der Medienbranche

Handlungskompetenz mit Sozialen Medien lieferten Samira Schütz und Julian Wenzel von PULS. Sie erklärten anhand tagesaktueller Praxisbeispiele die aktive Betreuung der eigenen Community auf Plattformen wie Youtube. Mithilfe verschiedener Arbeitsaufträge konnten sich die Teilnehmenden selbst mit dem Erstellen einer interaktiven Instagram-Story, dem Reagieren auf kritische Kommentare oder einem motivierenden „Call-to-Action“ beschäftigen.

Berufsrelevant ging es ebenfalls bei Rieke Harmsen und Christina Geisler vom Evangelischen Presseverband für Bayern zu, wo Basiswissen zu „Wie schreibe ich einen journalistischen Text“ in prägnanten Punkten vermittelt wurde und anhand einer Meldung überprüft werden konnte.

Abschließend berichteten Marion Gehlert (münchen.tv), Clemens Finzer (BR) und Philipp Melzer (HITRADIO RT1) von den Voraussetzungen, Einsatzbereichen und Möglichkeiten eines Volontariats in ihren jeweiligen Rundfunkagenturen.

Daniel Schneider, 1. FS

Ganz dicht dran – MER auf dem Evangelischen Kirchentag

„Was für ein Vertrauen“ war das Motto des 37. Evangelischen Kirchentages in Dortmund und das spiegelte sich auch in der Arbeit der MER-Studierenden wider: Sie durften Beiträge für den Bayerischen Rundfunk und für die Online-Redaktion des Kirchentags erarbeiten. Einblicke hinter die Kulissen wurden mit geballter journalistischer Praxis kombiniert. Es wurde fotografiert, gefilmt, interviewt und bis in die Nacht hinein an Beiträgen gefeilt.

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Das Pressezentrum war im BVB Stadion untergebracht. In Kooperation mit anderen Schulen, unter anderem der Evangelischen Journalistenschule Berlin und der Katholischen Journalistenschule München wurde dort in der Online-Redaktion zwischen höchster Motivation und totaler Verausgabung gearbeitet. Viele Studierende arbeiteten zum ersten Mal in einer Redaktion, weshalb sie sich an die Abläufe erst gewöhnen mussten. Doch die Redakteurinnen und Redakteure unterstützten sie, wo sie nur konnten. Beim gemeinsamen Arbeiten entstand dabei eine einzigartige Gruppendynamik, auch wenn es nicht immer einfach war: Filme, die zwar stundenlang geschnitten, aber vom Programm nicht gespeichert wurden, bis hin zu Beiträgen, die erst spät Abends fertiggestellt werden konnten, strapazierten die Nerven. Doch all der Stress hat sich gelohnt. Die Studierenden haben in sehr kurzer Zeit einen authentischen Einblick in den journalistischen Arbeitsalltag gewonnen und gleichzeitig einmalige Erfahrungen gesammelt, die nur der Kirchentag ermöglicht.

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Die Stimmung in Dortmund war beeindruckend, ebenso die Verbundenheit zwischen den Mitwirkenden sowie Besucherinnen und Besuchern. Zudem gab es überall in der Stadt Veranstaltungen: Von Gottesdiensten, Konzerten, Podiumsdiskussionen und Workshops bis hin zu Info-Ständen von Organisationen, die sich für Frieden, Nachhaltigkeit und Nächstenliebe einsetzen.

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Jana Küchler & Santiago Reinbold, 2. FS / 4. FS

Happy Birthday Datenschutz-Grundverordnung

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Vor genau einem Jahr trat die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in allen Ländern der Europäischen Union in Kraft. Die DSGVO soll den Umgang mit personenbezogenen Daten regeln und damit auch die Grundrechte und Grundfreiheiten natürlicher Personen schützen. Mit Inkrafttreten der DSGVO mussten alle Verbraucherinnen und Verbraucher zunächst darüber informiert werden und auch zustimmen, wenn personenbezogene Daten gespeichert werden.Große Aufregung und große Ängste 

Die nun verbindlichen und damit einklagbaren Regelungen im Umgang mit Daten sorgten im Vorfeld für viel Gesprächsstoff.  Die Angst vor dem bürokratischem Aufwand, vor Einschränkungen und vor Abmahnungen war groß. Es kursierten Gerüchte über Bußgelder in Höhe von bis zu 20 Millionen Euro. Blogger oder selbstständige Fotografen sahen ihre Arbeit bedroht. Nach einem Jahr zeigt sich jedoch: Die großen Klagewellen blieben aus und auch die verhängten Bußgelder gegenüber Sozialen Netzwerken oder anderen Internetanbietern liegen meist unter 50.000 Euro. Trotzdem: Es gibt Schwachstellen, denn die Datenschutz-Grundverordnung gilt beispielsweise für kleine Firmen und Vereine ebenso wie für Internetgiganten. Das aber kann behoben werden, denn im kommenden Jahr soll die Verordnung auf mögliche Probleme hin durchforstet und eventuell angepasst werden.
Pressearbeit ausgenommen
Die DSGVO verpflichtet EU-Mitgliedstaaten, Regelungen zu schaffen, die den Schutz personenbezogener Daten in Einklang bringen mit der Freiheit der Meinungsäußerung und der Informationsfreiheit. Auf diese Weise muss sichergestellt werden, das Journalisten und in Journalistinen, egal ob sie in einer Redaktionen oder frei arbeiten, ihre Aufgabe uneingeschränkt erfüllen können. Weniger eindeutig geklärt ist die Frage, für wen das sogenannte Medienprivileg gilt, also wo Pressearbeit anfängt und wo sie aufhört. Nachweislich schwieriger geworden ist die Arbeit von Bildjournalistinnen und -journalisten. Bei einer Umfrage des Deutschen Journalisten-Verbandes haben von 200 Teilnehmern 70 Prozent die Auswirkungen der DSGVO als negativ eingestuft.  Der Verband fordert deshalb vom Gesetzgeber, die Foto- und Filmfreiheit wiederherzustellen und  für Rechtssicherheit bei der Pressefotografie zu sorgen.
Daten als neue Währung
In jedem Fall hat das Inkrafttreten der DSGVO eine neue Sensibilisierung für das Thema Datenschutz bewirkt. Im Vergleich zu früher wird zum Beispiel bei „Allgemeinen Geschäftsbedingungen“ dem Datenschutz mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Nicht mehr alle Cookies werden automatisch akzeptiert, um das Angebot einer Webseite zu nutzen. Der Datenskandal um Facebook und Cambridge Analytika hat gezeigt, dass unsere Daten, mehr noch als vor zehn Jahren, die Währung in einem digitalen Zeitalter sind. Sie sind wertvoll und begehrt. Unternehmen brauchen sie, um eine Geschäftsstrategie zu realisieren. Personenbezogene Daten werden analysiert und ausgewertet, um Produkte noch gezielter bewerben zu können oder auch besser an Verbraucherinnen und Verbraucher anzupassen.

Beate Laurenti, 2. FS

Platz 13 ist nicht gut genug

Die Pressefreiheit muss auch in Deutschland geschützt und verteidigt werden.  Weltweit sitzen 174 Journalistinnen und Journalisten in Haft, allein 35 sind es in der Türkei. Besonders großes Aufsehen erregte der Fall des “Welt”-Korrespondenten Deniz Yüzel. Ein Jahr lang wurde der deutsch-türkische Journalist wegen angeblicher „Terrorpropaganda“ in einem türkischen Gefängnis festgehalten. Es steht nicht gut um die Pressefreiheit, auch nicht in Europa, und selbst in Deutschland ist noch viel Luft nach oben. Das zeigt die Statistik der Organisation “Reporter ohne Grenzen” (ROG), in der die Lage in 180 Nationen bewertet wird. Am 3. Mai ist der Internationale Tag der Pressefreiheit. Seit 1994 wird an diesem Tag auf die grundlegende Bedeutung freier Berichterstattung aufmerksam gemacht, wird die Entwicklung weltweit in den Blick genommen.

Überraschend sind im aktuellen ROG-Ranking nicht die letzten Plätze, die von Ländern wie Nordkorea, Eritera oder auch Turkmenistan belegt werden. Überraschend und zugleich alarmierend ist zum Beispiel die Situation in Österreich. Im Vergleich zum Vorjahr ist das Land um fünf Plätze auf Rang 16 zurückgefallen. Erst vor Kurzem machte die Debatte um den Journalisten und Fernsehmoderator Armin Wolf (ORF) Schlagzeilen. Wolf hatte in einem Interview mit FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky ein Werbeplakat der FPÖ-Jugend mit einer antisemitischen Zeichnung aus dem nationalsozialistischen Hetzblatt „Der Stürmer“ verglichen. Es brach ein regelrechter Shitstorm aus, viele rechtsextreme Gruppen sowie FPÖ-Funktionäre forderten die Entlassung des Journalisten. – Es ist nur eines von vielen Beispielen für Angriffe auf die Pressefreiheit, aber eines, das uns als Nachbarland von Österreich besonders erschreckt.

Auch die Tatsache, dass die USA auf Platz 48 stehen – hinter Rumänien – ist ein trauriges Beispiel dafür, wie stark Pressefreiheit von der jeweiligen politischen Führung eines Landes abhängt.In Deutschland ist die Presse- und Meinungsfreiheit in Artikel 5 Absatz 1 des Grundgesetzes geregelt: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“

Und trotzdem liegt Deutschland „nur“ auf Platz 13. Spitzenreiter bleibt wie auch in den vergangenen zwei Jahren Norwegen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Zum Beispiel verfügen Journalistinnen und Journalisten in skandinavischen Ländern über bessere Quellenschutzgesetze, auch haben sie einfacheren Zugang zu Behördeninformationen. Es gibt kaum Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten. In Deutschland ist die Zahl der Angriffe gegen Vertreterinnen und Vertreter der Presse im Jahr 2018 sogar gestiegen. Laut einer aktuellen Studie des Europäischen Zentrums für Presse- und Medienfreiheit in Leipzig wurden im vergangenen Jahr insgesamt 26 gewaltsame Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten gezählt. Ein Jahr zuvor waren es lediglich 8. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde ein Fall aus Sachsen, wo ein LKA-Mann bei einer Pegida-Demonstration die Arbeit des ZDF-Team massiv behinderte. Auch in Deutschland muss die Pressefreiheit immer wieder neu verteidigt werden. Ein besserer Schutz von Journalistinnen und Journalisten bei ihrer Arbeit und ein leichterer Zugang zu Behördeninformationen wie in Skandinavien sind nur zwei von vielen Möglichkeiten, auf der ROG-Liste aufzusteigen.
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Der ungarisch-amerikanische Journalist Joseph Pulitzer sagte einst: „Die Presse mag ausschweifend sein. Aber sie ist das moralistische Werkzeug der Welt von heute. Durch die Furcht vor der Presse werden mehr Verbrechen, Korruption und Unmoral verhindert als durch das Gesetz.“
Und das gelingt nur, wenn Journalismus frei ist, wenn der Zugang zu Informationen nicht unnötig erschwert wird, wenn Behörden und Journalistinnen und Journalisten so zusammenarbeiten, dass Missstände an die Öffentlichkeit gelangen, dass darüber debattiert wird und die Probleme gelöst werden. Die Presse- und Meinungsfreiheit gehört zu den Grundpfeilern einer jeden Demokratie. Deshalb sollte der 3. Mai nicht (nur) ein Tag sein, an dem sich die Medien mit sich und ihren Arbeitsbedingungen beschäftigen, sondern ein Tag, an dem sich alle bewusst machen, welch wertvolles Gut die Pressefreiheit ist, und wie wichtig es ist, sie zu erhalten und zu verbessern. Platz 13 ist nicht schlecht, aber für Deutschland nicht gut genug.
Welche Kriterien für die Rangliste der Pressefreiheit von “Reporter ohne Grenzen” berücksichtigt wurden, kann hier nachgelesen werden.

Beate Laurenti, 2. FS

Schubladen im Kopf – sind wir Vorurteilen machtlos ausgeliefert?

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Immer diese Polen, die klauen, Frauen, die nicht einparken können, Muslime, die Terroristen sind, Deutsche, die keinen Humor haben, Blondinen, die dumm sind. Diese Liste könnte endlos fortgeführt werden. Vorurteile sind stabile meist negative Meinungen vor allem über Menschen oder Gruppen, die von uns nicht überprüft wurden. Aber warum entstehen solche Klischeevorstellungen und vor allem: warum sind sie so langlebig und oft schwer als falsch kategorisierbar?

Im Grunde gibt es zu Vorurteilen keine allgemeine Zustimmung, sondern es handelt sich um individuelle, völlig subjektive Einstellungen und Meinungen. Oftmals sind diese auch bei anderen abgeschaut – bei den Eltern beispielsweise. „Meine Eltern sagen das, also ist das richtig“. In der Kindheit erlernt verhalfen sie uns dazu, die Welt zu begreifen, sie erstmal in die Guten und die Bösen einzuteilen. Und manche dieser Schablonen nehmen wir mit ins Erwachsenenalter. Begegnet uns nun ein neuer Mensch, so können wir diesen niemals in seiner Ganzheit erfassen. Stattdessen brauchen wir erst einmal eine Hilfestellung, sogenannte Muster oder Raster, wie es in der Vorurteilsforschung (Psychologie, Soziologie und Sozialpsychologie) heißt, in die wir den neuen Menschen einsortieren können. Diese Muster sind eben das, was wir schon kennen, was wir uns abgeschaut haben, was wir vielleicht auch schon erlebt haben. Diese Orientierungshilfen sind sogenannte Stereotype, also generalisierte Überzeugungen. Ein Vorurteil ist dann im nächsten Schritt die Interaktion zwischen Stereotyp und eigener Erfahrung. Die Stereotype als kognitive Komponente sind also die Basis zu Vorurteilen, der emotionalen Komponente. So entsteht ein (verfestigtes) Vorurteil.

Vorurteile sind meist eng mit dem eigenen Selbstbild, mit Eigennutz und Gruppenkonflikten verbunden. Das führt dazu, dass es häufig unmöglich ist, eine dritte objektive „Wahrheit“ zu finden beziehungsweise mit rationalen Argumenten zu überzeugen. Aus diesem Grund ist es wichtig, die eigene Meinung immer wieder auf drei wesentliche Punkte hin zu überprüfen: Ihre Rationalität (geprüftes Wissen?), Gerechtigkeit (behandle ich alle Menschen gleich?) und Mitmenschlichkeit (Empathie, Toleranz?). Trotzdem bleibt die Überwindung von Vorurteilen meist ein langwieriger Prozess des Umdenkens /-lernens, denn unser Gehirn trennt sich nicht gern von fest verankertem „Wissen“.

Medien erzeugen unsere Bilder im Kopf

Ein wichtiger Meinungsträger sind unter anderem die Massenmedien. Diese sind oft Entstehungsbasis eines Musters. Wir begegnen beispielsweise einem neuen Menschen und müssen ihn einsortieren. Sagen wir mal es handelt sich bei diesem Menschen um einen Amerikaner oder eine Amerikanerin. Eigentlich wissen wir nichts über Amerika und seine EinwohnerInnen, weil wir noch nie dort waren oder jemanden aus Amerika kennengelernt haben. Aber wir haben viel in der Zeitung gelesen. Trump zum Beispiel, den mögen wir nicht. Und Fastfood auch nicht, das kommt aber aus Amerika. Also nehmen wir diese Informationen als Grundlage der Bewertung über den neuen, uns gegenüberstehenden Menschen. Ein Vorurteil ist entstanden. Medien sind also Meinungsträger und das Internet somit mitunter verantwortlich für die massenhafte Verbreitung von Vorurteilen? Dass der Journalismus nicht mehr die klassische Stellung des Gatekeepers innehat, stellt ein großes Problem dar, da er hier mit der Abgrenzung gegen den „Bürgerjournalismus“ kämpfen muss. Nun ist es aber so, dass Stereotype nicht grundsätzlich etwas Schlechtes sind. Manchmal haben sie anfänglich sogar einen Nutzen: Sie vereinfachen komplexe soziale Konstrukte, verringern die Unsicherheit, schaffen Überschaubarkeit, stärken das Gemeinschaftsgefühl etc. Aber es wird schwierig, wenn es zur Entstehung des Vorurteils kommt. Die Schwierigkeit liegt dabei schon im Namen: Ein „Vor-urteil“ ist ein vorschnelles Urteil, ohne vorhergehende Reflektion und Überprüfung. Dass dieses meist nichts mit der Realität zu tun hat, konnte jede/r von uns wohl schon am eigenen Leib erfahren. Es ist eine tiefe gesellschaftliche Angst, in eine Schublade gesteckt zu werden, in die wir nicht gehören. Weil es nie so einfach ist. Weil die Kategorisierung immer eine Beleuchtung aus vielen verschiedenen Perspektiven benötigt.

Klischeefreier Leben

Unabhängig von den oben bereits beschriebenen drei Punkten, auf die hin wir unsere Meinung und unser Denken regelmäßig überprüfen sollten, gilt generell ein verantwortungsvoller Umgang miteinander. Wir sollten uns in unserem Urteil über andere mehr auf reflektierte Entscheidungen verlassen und weniger auf Bilder, die schon immer da waren und die wir weder anders kennen, noch überprüft haben. Das gilt für so viele Bereiche des Lebens – Extremismus, die Rolle von Mann und Frau, MuslimInnen in Deutschland, Rassismus generell, Berufsbilder – Erzieherinnen sind nur Frauen und Physik nur was für Nerds?, Entscheidungen, die wir aufgrund der Kleidung und des Äußeren treffen – um nur einige zu nennen. Lasst uns ein wenig in unseren Schubladen wühlen und Ordnung schaffen. Neues erfahren und Altes endlich aussortieren. Und vor allem: Lasst uns unsere Vorurteile bewusst machen, denn nur so können wir feststellen, dass wir ihnen nicht machtlos ausgeliefert sind und nur wir selbst an unserer Einstellung etwas verändern können.

WhatsApp. Das Ende einer Erfolgsgeschichte?

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Keine Werbung! Keine Spiele! Kein Schnickschnack! Mit diesem Grundsatz verhalfen die ehemaligen Yahoo-Entwickler Jan Koum und Brian Acton WhatsApp zu großem Erfolg. Seitdem gehört der beliebte Messenger auf jedem Smartphone praktisch zum Inventar. Mit insgesamt 1,5 Milliarden Nutzern weltweit (Stand Januar 2018) zählt der Dienst zu den Top 10 der am meisten heruntergeladenen und verwendeten Anwendungen. Doch nun könnte diese Erfolgsgeschichte ihr Ende finden, wenn eine vor Jahren vereinbarte Frist zum Monatswechsel abläuft.

Auch große Fische werden gefressen

Denn WhatsApp gehört schon lange nicht mehr den beiden Gründern. Der unerwartete Erfolg ihrer Entwicklung weckte die Begehrlichkeiten eines noch erfolgreicheren Unternehmens und so ging der Instant-Messaging-Dienst im Februar 2014 für insgesamt 19 Milliarden Dollar an das US-Unternehmen Facebook, zu welchem auch die Entwickler nach dem Verkauf ihrer App wechselten. Jan Koum bekam darüber hinaus einen Sitz im Verwaltungsrat von Facebook.

»WhatsApp wird autonom bleiben und unabhängig agieren.« Jan Koum

Um Acton und Koum zu einer schnellen Verkaufsentscheidung zu bewegen (denn auch Google zeigte an dem Messenger Interesse), war Facebooks Erfinder und Konzern-Chef Mark Zuckerberg zu großzügigen Zugeständnissen bereit. So sollte für die Dauer von fünf Jahren kein Druck auf die Entwickler ausgeübt werden, Geld mit ihrem Messenger zu verdienen, was diese dazu befähigen sollte, ihren Grundsatz fortzuführen.

Doch diese Frist ist nun abgelaufen und nachdem beide Gründer Facebook und damit auch WhatsApp verlassen haben, ist nun für das Unternehmen die Zeit gekommen, Geld mit ihrem teuer erkauften Messanger zu verdienen.

»Ich habe die Privatsphäre meiner Nutzer verkauft.« Brian Acton

Und so ist unterschiedlichen Meldungen zufolge damit zu rechnen, dass bereits kommenden Februar, also genau fünf Jahre später, Werbung im dem Bereich für die Statusmeldungen erscheinen wird, welcher bisher lediglich zum Teilen von Videos, Bildern sowie GIF-Dateien genutzt werden konnte und damit mit dem Story-Modus von Instagram und zu vergleichen ist.

Bleibt nur die Frage, welche Folgen eine solche Entscheidung mit Blick auf den Datenschutz haben könnte. Denn damit Werbung möglichst effektiv und teuer verkauft werden kann, sind Daten notwendig. Eine Menge Daten. Daten, die WhatsApp zu liefern imstande ist.

So erfährt es der Messenger, wenn wir unseren Freunden oder Bekannten davon erzählen, dass unser Fernseher kaputt ist, wir uns über ein bestimmtes Produkt unterhalten oder der Schwangerschaftstest positiv ausfällt. Hätten Unternehmen Zugriff auf all diese Daten, dann könnte jeder WhatsApp Nutzer bald mit Werbung konfrontiert werden, welche speziell auf dessen individuelle Bedürfnisse zugeschnitten und damit um ein vielfaches effektiver ist, als die Werbung für ein willkürlich ausgewähltes Produkt.

Um dies aber zu ermöglichen, müsste die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die bisher ein Mitlesen Dritter verhinderte, aufgeweicht werden. Und nach Aussage von Acton soll genau das geschehen. Dadurch will Facebook den Zugriff auf die zwischen den Nutzern ausgetauschten Inhalte erhalten. Denkbar wäre aber auch ein Austausch zwischen WhatsApp und Facebook, für den das Unternehmen bereits in der Vergangenheit kritisiert wurde.

Bis WhatsApp-Werbung aber auch auf unseren Handys erscheinen wird, wird es noch einige Monate dauern. So sollen vorerst indische iPhone-Nutzer von der Neuerung betroffen sein. Bis spätestens Mitte 2019 wird die Werbung jedoch alle 1,3 Milliarden Nutzern und damit auch die Nutzer von Android-Geräten erreichen, was auch die Nutzer in Deutschland einschließen wird. Was dies für die Zukunft von WhatsApp bedeuten könnte, bleibt abzuwarten.

Sebastian Brünnel, 1. FS

Bernd Ulrich über Journalismus in unruhigen Zeiten

Bernd Ulrich, stellvertretender Chefredakteur der ZEIT

Bernd Ulrich, stellvertretender Chefredakteur der ZEIT

Am 18.12.2018 war Bernd Ulrich, stellvertretender Chefredakteur der ZEIT, in Erlagen zu Gast. In seinem Vortrag “Journalismus als Anwalt der Demokratie” sprach er über Öffentlichkeit in unruhigen Zeiten.

Lieber Herr Ulrich, Sie sprechen in ihrem Vortrag über Journalismus in Zeiten der Unruhe und Veränderung. Die Gesellschaft wird den Medien gegenüber kritischer, und das Misstrauen wächst. Wie versucht man als Journalist, das Vertrauen der Bürger und Bürgerinnen dennoch zu gewinnen?

In unserem speziellen Fall wird unsere Leserschaft immer kritischer, aber ohne das Vertrauen zu uns zu verlieren. Wir genießen eine hohe Wertschätzung, was uns angeht. Und was uns auszeichnet, ist einmal die Haltung , dass wir nicht, wie das früher vielleicht üblich war, von oben herab schreiben, sondern auf Augenhöhe, dass wir einladend schreiben, dass wir den Leuten nicht vorschreiben, was niveauvolle Interessen und was weniger niveauvolle Interessen sind, sondern dass wir versuchen, das ganze Spektrum der Lebenswelt der Leserinnen und Leser abzubilden. Außerdem sind wir im ständigen Dialog mit ihnen: Wir machen Veranstaltungen, wir organisieren „Freunde der ZEIT“- das ist eine Veranstaltungsreihe -, wir laden sie ein in die Redaktion. Ich fahre – wie viele andere auch – die ganze Zeit durchs Land und halte Vorträge. Wir versuchen einfach, die Fühlung zu den Leserinnen und Lesern nicht zu verlieren.

Obwohl die Auflagen ihrer Konkurrenten in den letzten Jahren stetig sinken, zeigt sich bei der ZEIT das Gegenteil. Sie verkaufen mehr Zeitungen als je zuvor. Ist der eben genannte intensive Kontakt mit den Lesern ein Grund oder gibt es ihrer Meinung nach noch andere Gründe?

Was unseren Erfolg angeht, da sind wir auch ein bisschen demütig. Wir glauben nicht, dass wir das Geheimnis unseres Erfolges komplett kennen, da ist auch Glück dabei. Aber ansonsten sehe ich die Gründe in dem, was ich aufgezählt habe – dieser „Auf-Augenhöhe-Journalismus“; auch versuchen wir rechtschaffen zu sein und demütig. Und wir sind als ZEIT auch eine pluralistische Wertegemeinschaft, wir sind nicht nur eine Zeitung, die man so hat und dann weglegt oder so, sondern wir schaffen – glaube ich – auch eine Identifikationsmöglichkeit.

Stichwort Digitalisierung: Der Journalismus wurde gerade durch die Etablierung von Social Media von einer One-Way Kommunikation zu einem Dialog. Jeder User kann Artikel in Sekundenschnelle kommentieren und darüber urteilen. Wie ernst werden solche Userkommentare bei der ZEIT wirklich genommen, und wie reagiert man darauf?

Es sind ja viele verschiedene Kommentierungen. Es gibt sie als normalen Leserbrief, als E-Mail, es gibt die auf Twitter und Facebook, und es gibt die unter den Artikeln, die wir auf ZEIT Online veröffentlichen. Die Bandbreite ist sehr gemischt, und je nachdem, wie ernst gemeint und wie argumentierend sie sind, desto mehr beschäftigen wir uns damit. Gerade auf Online ist es oft so, dass am Anfang eine interessante Diskussion losbricht, und hinterher unterhalten sich die Herren – meistens sind das Herren – nur noch untereinander oder es geht so ein bisschen ins Unflätige, und dann lässt meine Aufmerksamkeit stark nach.

Sie sind nicht nur stellvertretender Chefredakteur der ZEIT, sondern auch Leiter des Politikressorts. Die Politik ist ständig im Wandel, und es gibt täglich neue Themen, über die man sprechen kann. Wie schafft man es, wenn man nach einem Arbeitstag nachhause kommt, wirklich abzuschalten?

Ich gönne mir systematisch Ruhe. Ich mache Yoga und Sport und ansonsten empfinde ich meine Arbeit nicht immer als Arbeit. Es gibt Dinge dabei, die sind wirklich Schwerstarbeit, die mache ich nicht so gerne, aber insgesamt würde ich wahrscheinlich auch dasselbe machen, wenn ich nicht dafür bezahlt würde.

Der Beruf des Journalisten verlangt einem viel ab. Hand aufs Herz – Welchen Beruf hätten sich ihre Eltern als Kind für sie gewünscht?

 Da ich das erste Kind in meiner Familie war, das Abitur gemacht hat, hatten sie, glaube ich, gar keine Fantasie, was ich machen könnte. Die kannten diese Welt nicht, in die ich da vorstieß.

Lena Baumann, 1. FS

Weihnachten für alle? Wie Muslime Weihnachten erleben

„Fröhliche Weihnacht überall!
tönet durch die Lüfte froher Schall.
Weihnachtston, Weihnachtsbaum,
Weihnachtsduft in jedem Raum! […]“

Weihnachtsmusik ist im Dezember jeden Jahres beinahe überall zu finden, denn so stimmen wir uns alljährlich auf Weihnachten ein. Aber ist Weihnachten tatsächlich auch in jedem Raum zu finden, wie das Lied besagt? Das ist vielleicht im Jahr 2018 in Deutschland nicht mehr ganz aktuell. So gibt es genügend Menschen, für die Weihnachten gar keine oder eine ganz andere Bedeutung hat. Viele von ihnen sind Zugehörige anderer Religionen. Muslime beispielsweise – im Spezifischen unsere Mitstudierenden Nudret und Elif. Beides gläubige Muslima. Im normalen Alltag spielt die Religion zwischen uns keine Rolle – aber an Weihnachten zieht es die meisten von uns nach Hause in den Schoß der Familie, um dort ein besinnliches Weihnachtsfest zu verbringen. Am 24. Dezember haben wir alle unsere ganz persönlichen Traditionen – die meisten stehen in Verbindung mit Geschenken, einem Weihnachtsbaum, gutem Essen, Kirche. Unterscheidungen von Familie zu Familie gibt es meist nur in den Details. Aber gilt das auch für Nudret und Elif? Feiern die beiden auch Weihnachten, so wie wir es kennen? Das haben wir uns gefragt….und sie direkt mal dazu interviewt.

1. Was machst du an Weihnachten (24. Dezember)?

Nudret: Dadurch, dass bundesweit für alle zur selben Zeit Ferien sind, feiern wir mit beziehungsweise freuen uns mit, sage ich jetzt mal. Dieses Jahr zum Beispiel findet drei Tage lang ein Treffen statt, bei dem wir zusammen in einer Moschee schlafen, wir lernen zusammen, kochen zusammen, lesen abends zusammen und so weiter. Das stärkt unsere Bindung zueinander, es werden neue Freundschaften geschlossen, man lernt auch noch was..das macht sehr viel Spaß und ich gehe gerne hin. Und das ist eben direkt am 24. Dezember. Da werde ich sein.

Elif: Ich mache nichts Besonderes an Weihnachten. Dadurch, dass es ein Feiertag in Deutschland ist, bin ich aber mit meiner Familie – das heißt meinen Eltern und meinem Bruder – zusammen. Ansonsten ist es ein ganz normaler Tag.

2.Was bedeutet die Weihnachtsvorbereitungszeit für dich? Gehst du zum Beispiel auch auf Weihnachtsmärkte?

Nudret: In der Weihnachtsvorbereitungszeit finde ich die Dekoration in den Städten sehr schön und durch die Rabattaktionen macht man ja irgendwie auch mit (lacht). Auf den Weihnachtsmarkt gehe ich auch immer sehr gerne, da gibt es ja auch super leckere Sachen – wir essen zum Beispiel immer gerne Waffeln, das ist ein „must-do“ bei uns. Ich backe außerdem auch immer Plätzchen zuhause in der Weihnachtszeit.

Elif: In der Weihnachtsvorbereitungszeit schaue ich immer den Film Kevin allein zuhause. Außerdem gehe ich sehr gerne auf Weihnachtsmärkte und mag insgesamt die Zeit gerne, weil sie harmonisch ist. Ich teile die Vorfreude, merke, dass die Stimmung anders ist und finde das schön.

3. Schenkst du deiner Familie oder Freunden was?

Nudret: Nein, wir beschenken uns nicht. Aber weil wie gesagt alle Ferien haben, trifft man eben alle – sowohl die ganze Familie als auch die Freunde…das ist für uns die Weihnachtszeit und das macht auch sehr viel Spaß. Wir haben zwar kein Weihnachtsbaum, aber wir genießen die Zeit und die Atmosphäre.

Elif: Nein, ich schenke nichts. Es ist eher ein Beobachten und Miterleben.