Warten auf… ja, auf wen eigentlich?

Na, klingelt bei euch heute Abend ein Glöckchen und das Christkind war da? Oder stellt ihr eine Tasse Kakao für den Weihnachtsmann auf den Kaminsims? Wer auch immer zu euch kommt und die Geschenke bringt: Es bleibt die Frage, welchen Ursprung diese Bräuche haben.

girl-angel-1022595_960_720Goldblonde, lange Locken und ein weißes Glitzerkleid – so stellt man sich das typische Christkind vor. Der Brauch gilt als  protestantischer Gegenentwurf zum katholischen Nikolaus und ist – wie die Reformation selbst – bereits 500 Jahre alt. Für Katholiken bringt hingegen der Nikolaus am 6. Dezember die Geschenke und das schon seit dem 6. Jahrhundert. Die Bescherung am Heiligen Abend gibt es so, wie wir sie kennen, erst seit der Reformation. Denn die Protestanten brechen damals mit der Heiligenverehrung und bestehen auf eine Bescherung am Heiligen Abend statt am Todestag des Heiligen Nikolaus. Martin Luther erfindet den „Heiligen Christ“ als Gabenbringer, so dass auch Protestanten an Weihnachten Bescherung feiern können. Zu Beginn taucht das Christkind noch zusammen mit dem Nikolaus auf. Katholiken behalten das Schenken am Nikolaustag noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts bei.

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Der Weihnachtsmann entsteht  – ungefähr gleichzeitig zum Christkind –  ebenfalls im 16. Jahrhundert, jedoch ohne christlich-biblischen Hintergrund. Nur das Aussehen des Weihnachtsmanns erinnert an einen christlichen Aspekt: denn er ähnelt dem Nikolaus sehr. Das heutige Bild mit weißem, langen Rauschebart und rot-weißem Kostüm geht auf eine Werbekampagne des Coca-Cola-Konzerns zurück. Seit 1932 ersetzt diese Werbefigur nun in vielen Regionen das Christkind.

Und wer kommt jetzt zu wem?

Weltweit kann keine feste Grenze zwischen Weihnachtsmann und Christkind gezogen werden. Regionale Befindlichkeiten in Deutschland sprechen aber für sich: Das Christkind besucht vor allem Haushalte in West-, Südwest- und Süddeutschland. Der Weihnachtsmann beschert vor allem Kinder in Mittel-, Nord- und Ostdeutschland.

Woher man das weiß? Mittlerweile wissen das Suchmaschinen! Das Suchvolumen nach dem Weihnachtmann liegt in Sachsen bei 100 Prozent, während Onlinerecherchen im Süden, v.a. in Bayern, ausschließlich das Christkind betreffen.

Wer nun auch immer bei euch heute Abend zu Besuch kommt: Genießt die Feiertage mit euren Liebsten und lasst uns gemeinsam die Geburt Christi feiern– ob ihr nun nach dem Christkind läutet oder den Weihnachtsmann auf ein Heißgetränk einladet. Frohes Fest!

Tina Stanzel, 1. FS

Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum…

wie grün sind deine Blätter: Jedes Jahr vor Weihnachten erwacht er wie aus einem Sommerschlaf. Der Weihnachtsbaum, Christbaum oder schlichtweg Tannenbaum. Alles scheint nur auf ihn gewartet zu haben. Weihnachtsbaumständer und Christbaumschmuck werden hervorgekramt; Lichterketten, Glaskugeln, Strohsterne, kleine rote Äpfelchen, Figuren, Lametta und Süßigkeiten. Jedes Jahr beginnt das gleiche Prozedere: Hat der Weihnachtsbaum heute noch eine Bedeutung?

Der Tannenbaum erscheint wie ein heidnischer Weihnachtsbrauch, der über die Jahre zur Weihnachtsroutine erstarrt ist. Der Tannenbaum darf nicht fehlen, ob im Baummarkt nebenan gekauft oder selbst geschlagen wie Familie Griswold in „Eine schöne Bescherung“. Irgendwo müssen die Geschenke ja abgelegt werden, oder?

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Oder warum stellen wir zu Weihnachten einen Tannenbaum auf?

Der Brauch, einen Baum zu bestimmten Festtagen zu schmücken, reicht bis ins Mittelalter zurück. So kennen wir Maibäume, um die am 1. Mai getanzt wird, oder Richtbäume, die den fertiggestellten Dachstuhl verzieren. Der Tannenbaum zu Weihnachten hat seine ganz eigene Geschichte. Weihnachten galt als kirchlicher Gedenktag Adams und Evas. Zu diesem Anlass wurde im Mittelalter die Paradiesgeschichte (1.Mose 2-3) aufgeführt.

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Der Weihnachtsbaum war ursprünglich ein Laubbaum.

Die Geschichte in Kürze:
Bei Adam und Eva im Paradies befand sich der Baum der Erkenntnis. Gott hatte ihnen verboten, die Früchte dieses Baumes zu essen. Eine hinterlistige Schlange überredete Eva und Eva überredete wiederum Adam, die Frucht des Baumes zu essen. Das hatte natürlich Folgen. Die weitreichendste war, dass sie von Gott aus dem Paradies fortgeschickt wurden. Das ist die Geschichte des sogenannten Sündenfalls.

Die Paradiesgeschichte erzählt, wie die Sünde in die Welt kam. An Weihnachten feiern wir die Geburt von Jesus Christus. Denn Gott hat Jesus auf die Welt gesandt, damit er uns von den Folgen des Sündenfalls befreit. Darum feiern Christen auf der ganzen Welt Weihnachten.

In den weihnachtlichen Aufführungen der Paradiesgeschichte symbolisierte der Apfel die Frucht des Baumes der Erkenntnis: Die Frucht, die Eva so frisch, lecker und verlockend erschien. Diese Frucht hing also an einem Apfelbaum.

Du grünst nicht nur zur Sommerzeit, nein, auch im Winter, wenn es schneit.

Ja, Laubbäume verlieren im Winter ihre Blätter. Die Vorstellung, dass ein kahler Baum verlockende Äpfel trägt, passte nicht ins Bild. So wurde aus dem paradiesischen Baum ein grüner Tannenbaum.

Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter!

Heutzutage scheint die Bedeutung hinter dem Tannenbaum weitestgehend verloren gegangen zu sein. Der Tannenbaum dient eher der Dekoration und die richtige Auswahl wird entscheidend: „Das Ding würde nicht mal in unseren Garten passen!“ Deswegen immer daran denken, was Clark Griswold seinem Sohn antwortet: „Der soll ja auch nicht in unseren Garten, Rusty, er soll ins Wohnzimmer.

Oh Tannenbaum!

Jasmin Jäger, 1. FS