Eintauchen in eine fremde Religion – Interview mit dem Imam der Friedensmoschee Erlangen

Im Rahmen des Seminars „Islam in Medien und Öffentlichkeit“ von Dr. Najat Abdulhaq besuchen wir die Friedensmoschee in Erlangen und nehmen am Gebet der muslimischen Gemeinde teil. Da wir in dem Kurs neben den religiösen Grundlagen vor allem die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Islam in Medien und Öffentlichkeit erlernen, ist es wichtig, den Islam in der Öffentlichkeit selbst mitzuerleben und einen Imam und seine Gemeinde persönlich zu treffen. Für die meisten von uns ist der Besuch der Moschee die erste unmittelbare Erfahrung mit muslimischem Alltag. Den ganzen Vormittag sehen wir viel Neues und Unbekanntes. Da stellen sich uns natürlich viele Fragen. Nach dem Gebet erhalten wir die Chance auf die Beantwortung all dieser Fragen.

Wie groß ist die Gemeinde?

Wir haben eine feste Mitgliederzahl von 100 Leuten. Mit Besuchern sind es 400 bis 500 Menschen.

Woher nehmen Sie die Inspiration für ihre Predigten?

Ich lasse mich von dem Verhalten der Gemeinde inspirieren, aber auch von Hintergründen, welche die Gemeindemitglieder bewegen. Ich verwende theologische Themen aber auch alltägliche, die einen Bezug zu Jugendlichen, Frauen, Männern haben. Gemeindemitglieder machen Vorschläge und ich greife sie auf. Wenn in den Medien ein aktuelles Thema behandelt wird (Gewalt, Terror etc.), wird das auch in der Predigt diskutiert. Wir sind ein Teil dieser Gesellschaft und wollen dahingehend einen Beitrag leisten.

Was ist Ihr Eindruck von der aktuellen Berichterstattung über den Islam? Hat sich die Berichterstattung gewandelt?

Die Medien sind ein großes Problem. Sie zeigen nicht, wie die Gemeinden in Deutschland sind, sie zeigen nicht das wahre Bild der muslimischen Gemeinde in Deutschland. Sie zeigen, wenn es um den Islam geht, diesen als eine geschlossene Gemeinde, die sich nur mit sich selbst beschäftigt und sich nicht um die Gesellschaft kümmert und extremistische Gedanken hat. Solche Berichterstattungen stören uns wirklich sehr. Wir versuchen, diesem Bild entgegenzuwirken, indem wir mit unseren wissenschaftlichen Institutionen auf die Straße gehen, um zu zeigen, was uns wirklich ausmacht und wer wir sind. Wir arbeiten eng mit der Stadt zusammen und besprechen unterschiedliche Themen und Bereiche. Aber die Medien selbst sind noch nicht auf uns zugekommen. Dafür ist der Vorstand der Moschee zuständig.

Sie kommen ursprünglich aus Ägypten. Wie sind Sie nach Deutschland gekommen und was hat Sie dazu bewegt?

In Kairo habe ich an der Azhar Universität fünf Jahre studiert. Dort gibt es eine Abteilung Islamwissenschaft für verschiedene Sprachen – Und ich habe Deutsch gewählt. Anschließend war ich zwei Jahre als Imam in Ägypten tätig. Danach wollte ich mein Studium weitermachen und bin 2002 nach Freiburg gekommen. Ich habe dort Religionsgeschichte und Islamwissenschaften studiert und auch meinen Magister gemacht. Nach dem Studium habe ich Arbeit gesucht und seit Anfang 2010 wurde ich dann hier in Deutschland als Imam tätig.

Gibt es ein (Auswahl-)Verfahren, um Imam in Deutschland zu werden? Wie ist generell das Verfahren Imam einer Gemeinde zu werden?

Als Entsandter hierherzukommen ist eher selten. In Deutschland gibt es nur einen entsandten und von der Regierung finanzierten Imam. Ich bin nicht über ein Auswahlverfahren hergekommen. Ich bin kein Entsandter aus Ägypten, sondern habe mir mein Studium hier selbst finanziert und bin aus privatem Antrieb hergekommen.

Das Auswahlverfahren liegt in der Verantwortung des Vorstands der Gemeinden. Wenn eine Gemeinde einen Imam braucht, dann suchen sie einen, der qualifiziert ist. Er muss bestimmte Sachen vorweisen, er muss den Koran kennen, eine theologische Ausbildung haben und muss auch eine Probezeit als Imam durchlaufen. In türkischen Moscheen ist es anders, die Imame werden von der Regierung nach Deutschland geschickt.

Das Interview führte Janina Süß, 1. FS