WhatsApp. Das Ende einer Erfolgsgeschichte?

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Keine Werbung! Keine Spiele! Kein Schnickschnack! Mit diesem Grundsatz verhalfen die ehemaligen Yahoo-Entwickler Jan Koum und Brian Acton WhatsApp zu großem Erfolg. Seitdem gehört der beliebte Messenger auf jedem Smartphone praktisch zum Inventar. Mit insgesamt 1,5 Milliarden Nutzern weltweit (Stand Januar 2018) zählt der Dienst zu den Top 10 der am meisten heruntergeladenen und verwendeten Anwendungen. Doch nun könnte diese Erfolgsgeschichte ihr Ende finden, wenn eine vor Jahren vereinbarte Frist zum Monatswechsel abläuft.

Auch große Fische werden gefressen

Denn WhatsApp gehört schon lange nicht mehr den beiden Gründern. Der unerwartete Erfolg ihrer Entwicklung weckte die Begehrlichkeiten eines noch erfolgreicheren Unternehmens und so ging der Instant-Messaging-Dienst im Februar 2014 für insgesamt 19 Milliarden Dollar an das US-Unternehmen Facebook, zu welchem auch die Entwickler nach dem Verkauf ihrer App wechselten. Jan Koum bekam darüber hinaus einen Sitz im Verwaltungsrat von Facebook.

»WhatsApp wird autonom bleiben und unabhängig agieren.« Jan Koum

Um Acton und Koum zu einer schnellen Verkaufsentscheidung zu bewegen (denn auch Google zeigte an dem Messenger Interesse), war Facebooks Erfinder und Konzern-Chef Mark Zuckerberg zu großzügigen Zugeständnissen bereit. So sollte für die Dauer von fünf Jahren kein Druck auf die Entwickler ausgeübt werden, Geld mit ihrem Messenger zu verdienen, was diese dazu befähigen sollte, ihren Grundsatz fortzuführen.

Doch diese Frist ist nun abgelaufen und nachdem beide Gründer Facebook und damit auch WhatsApp verlassen haben, ist nun für das Unternehmen die Zeit gekommen, Geld mit ihrem teuer erkauften Messanger zu verdienen.

»Ich habe die Privatsphäre meiner Nutzer verkauft.« Brian Acton

Und so ist unterschiedlichen Meldungen zufolge damit zu rechnen, dass bereits kommenden Februar, also genau fünf Jahre später, Werbung im dem Bereich für die Statusmeldungen erscheinen wird, welcher bisher lediglich zum Teilen von Videos, Bildern sowie GIF-Dateien genutzt werden konnte und damit mit dem Story-Modus von Instagram und zu vergleichen ist.

Bleibt nur die Frage, welche Folgen eine solche Entscheidung mit Blick auf den Datenschutz haben könnte. Denn damit Werbung möglichst effektiv und teuer verkauft werden kann, sind Daten notwendig. Eine Menge Daten. Daten, die WhatsApp zu liefern imstande ist.

So erfährt es der Messenger, wenn wir unseren Freunden oder Bekannten davon erzählen, dass unser Fernseher kaputt ist, wir uns über ein bestimmtes Produkt unterhalten oder der Schwangerschaftstest positiv ausfällt. Hätten Unternehmen Zugriff auf all diese Daten, dann könnte jeder WhatsApp Nutzer bald mit Werbung konfrontiert werden, welche speziell auf dessen individuelle Bedürfnisse zugeschnitten und damit um ein vielfaches effektiver ist, als die Werbung für ein willkürlich ausgewähltes Produkt.

Um dies aber zu ermöglichen, müsste die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die bisher ein Mitlesen Dritter verhinderte, aufgeweicht werden. Und nach Aussage von Acton soll genau das geschehen. Dadurch will Facebook den Zugriff auf die zwischen den Nutzern ausgetauschten Inhalte erhalten. Denkbar wäre aber auch ein Austausch zwischen WhatsApp und Facebook, für den das Unternehmen bereits in der Vergangenheit kritisiert wurde.

Bis WhatsApp-Werbung aber auch auf unseren Handys erscheinen wird, wird es noch einige Monate dauern. So sollen vorerst indische iPhone-Nutzer von der Neuerung betroffen sein. Bis spätestens Mitte 2019 wird die Werbung jedoch alle 1,3 Milliarden Nutzern und damit auch die Nutzer von Android-Geräten erreichen, was auch die Nutzer in Deutschland einschließen wird. Was dies für die Zukunft von WhatsApp bedeuten könnte, bleibt abzuwarten.

Sebastian Brünnel, 1. FS

Bernd Ulrich über Journalismus in unruhigen Zeiten

Bernd Ulrich, stellvertretender Chefredakteur der ZEIT

Bernd Ulrich, stellvertretender Chefredakteur der ZEIT

Am 18.12.2018 war Bernd Ulrich, stellvertretender Chefredakteur der ZEIT, in Erlagen zu Gast. In seinem Vortrag “Journalismus als Anwalt der Demokratie” sprach er über Öffentlichkeit in unruhigen Zeiten.

Lieber Herr Ulrich, Sie sprechen in ihrem Vortrag über Journalismus in Zeiten der Unruhe und Veränderung. Die Gesellschaft wird den Medien gegenüber kritischer, und das Misstrauen wächst. Wie versucht man als Journalist, das Vertrauen der Bürger und Bürgerinnen dennoch zu gewinnen?

In unserem speziellen Fall wird unsere Leserschaft immer kritischer, aber ohne das Vertrauen zu uns zu verlieren. Wir genießen eine hohe Wertschätzung, was uns angeht. Und was uns auszeichnet, ist einmal die Haltung , dass wir nicht, wie das früher vielleicht üblich war, von oben herab schreiben, sondern auf Augenhöhe, dass wir einladend schreiben, dass wir den Leuten nicht vorschreiben, was niveauvolle Interessen und was weniger niveauvolle Interessen sind, sondern dass wir versuchen, das ganze Spektrum der Lebenswelt der Leserinnen und Leser abzubilden. Außerdem sind wir im ständigen Dialog mit ihnen: Wir machen Veranstaltungen, wir organisieren „Freunde der ZEIT“- das ist eine Veranstaltungsreihe -, wir laden sie ein in die Redaktion. Ich fahre – wie viele andere auch – die ganze Zeit durchs Land und halte Vorträge. Wir versuchen einfach, die Fühlung zu den Leserinnen und Lesern nicht zu verlieren.

Obwohl die Auflagen ihrer Konkurrenten in den letzten Jahren stetig sinken, zeigt sich bei der ZEIT das Gegenteil. Sie verkaufen mehr Zeitungen als je zuvor. Ist der eben genannte intensive Kontakt mit den Lesern ein Grund oder gibt es ihrer Meinung nach noch andere Gründe?

Was unseren Erfolg angeht, da sind wir auch ein bisschen demütig. Wir glauben nicht, dass wir das Geheimnis unseres Erfolges komplett kennen, da ist auch Glück dabei. Aber ansonsten sehe ich die Gründe in dem, was ich aufgezählt habe – dieser „Auf-Augenhöhe-Journalismus“; auch versuchen wir rechtschaffen zu sein und demütig. Und wir sind als ZEIT auch eine pluralistische Wertegemeinschaft, wir sind nicht nur eine Zeitung, die man so hat und dann weglegt oder so, sondern wir schaffen – glaube ich – auch eine Identifikationsmöglichkeit.

Stichwort Digitalisierung: Der Journalismus wurde gerade durch die Etablierung von Social Media von einer One-Way Kommunikation zu einem Dialog. Jeder User kann Artikel in Sekundenschnelle kommentieren und darüber urteilen. Wie ernst werden solche Userkommentare bei der ZEIT wirklich genommen, und wie reagiert man darauf?

Es sind ja viele verschiedene Kommentierungen. Es gibt sie als normalen Leserbrief, als E-Mail, es gibt die auf Twitter und Facebook, und es gibt die unter den Artikeln, die wir auf ZEIT Online veröffentlichen. Die Bandbreite ist sehr gemischt, und je nachdem, wie ernst gemeint und wie argumentierend sie sind, desto mehr beschäftigen wir uns damit. Gerade auf Online ist es oft so, dass am Anfang eine interessante Diskussion losbricht, und hinterher unterhalten sich die Herren – meistens sind das Herren – nur noch untereinander oder es geht so ein bisschen ins Unflätige, und dann lässt meine Aufmerksamkeit stark nach.

Sie sind nicht nur stellvertretender Chefredakteur der ZEIT, sondern auch Leiter des Politikressorts. Die Politik ist ständig im Wandel, und es gibt täglich neue Themen, über die man sprechen kann. Wie schafft man es, wenn man nach einem Arbeitstag nachhause kommt, wirklich abzuschalten?

Ich gönne mir systematisch Ruhe. Ich mache Yoga und Sport und ansonsten empfinde ich meine Arbeit nicht immer als Arbeit. Es gibt Dinge dabei, die sind wirklich Schwerstarbeit, die mache ich nicht so gerne, aber insgesamt würde ich wahrscheinlich auch dasselbe machen, wenn ich nicht dafür bezahlt würde.

Der Beruf des Journalisten verlangt einem viel ab. Hand aufs Herz – Welchen Beruf hätten sich ihre Eltern als Kind für sie gewünscht?

 Da ich das erste Kind in meiner Familie war, das Abitur gemacht hat, hatten sie, glaube ich, gar keine Fantasie, was ich machen könnte. Die kannten diese Welt nicht, in die ich da vorstieß.

Lena Baumann, 1. FS