Die Welt von morgen, Haltung im Journalismus und der Einstieg in die Berufswelt

Vom 23 bis 25. Oktober 2019 fanden die 33. MEDIENTAGE MÜNCHEN, Europas größter Medienkongress, statt. In einem breit gefächerten Mix aus Vorträgen, Workshops und Bühnenprogramm gaben Expertinnen und Experten aus der Medienbranche unter dem Motto „NEXT DIGITAL LEVEL“ Einblicke in aktuelle Umbrüche und Herausforderungen. Themen waren u.a. neue Entwicklungen mittels Künstlicher Intelligenz, die ethische Haltung von Journalisten in Zeiten von Populismus und Fake-News sowie Tipps und Tricks für den Berufseinstieg.

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Die Welt in 21 Jahren

Einen Blick in die Zukunft ermöglichte der Vision Talk von Cihan Sügür (Porsche AG) und Thomas Richter (Consultant) unter dem Titel „Unsere Welt 2030“. Sie sprachen über Projekte wie „Health Tunes“, bei der eine Künstliche Intelligenz (KI) versucht, mit Ergebnissen aus der klinischen Musiktherapie, depressive Verstimmungen mittels ausgewählter Audiodateien zu reduzieren. Ein weiterer Punkt war eine Weiterentwicklung des Schlafphasenweckers. Er basiert darauf, dass man nachts das Smartphone unter das Kopfkissen legt, so dass eine App die optimale Aufwachphase ermitteln und den Weckruf aktivieren kann. Die Zukunftsvision bezog sich auf die Möglichkeit, anhand einer weiteren App die eigenen Träume programmieren und steuern zu können. Jedoch entspann sich daran eine ethische Debatte, ob die neoliberale Denkweise der Selbstoptimierung auch in so private Bereiche wie den Schlaf übernommen werden sollte oder ob man in dieser Zeit „einfach einmal nichts tun“ dürfe. In eine ähnliche Richtung ging die Diskussion um das geplante Car-Entertainment von Porsche und Holoride, bei dem sich das Virtual-Reality-Spiel des Beifahrers an den Fahrbewegungen des Autos orientiert. Kritikpunkt war die totale Mediatisierung der menschlichen Lebenswelt aufgrund der kapitalistischen Marktlogik. Eine weitere ethische Fragestellung ergab sich schließlich anhand künftiger 3D-Drucker, mit denen in Bälde auch Metallteile gedruckt werden könnten. Bedenkt man, dass ein judenfeindlicher Schütze am 14. Oktober in Halle zwei Menschen mit einer aus einem 3D-Drucker stammenden Maschinenpistole erschoss, birgt diese Zukunftsvision in gewissen Bereichen auch Gefahren.

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Über aktuelle Forschungsschwerpunkte von KI und Medien sprach Prof. Dr. Roland Frank von der Media Design Hochschule München. Er erläuterte den Einsatz von KI bei einem gemeinsamen Programm der Bertelsmann-Stiftung und RTL. Solle ein Journalist etwa einen TV-Beitrag über eine Filmpreisverleihung in Hollywood halten, hätte aber keine Ahnung von den auftretenden Prominenten, helfe das Programm weiter. Während die Kamera die Personen auf dem Roten Teppich filme, liefere die KI per Gesichtserkennung in sekundenschnelle die Namen der abgebildeten Menschen. Ebenfalls verlinke sie den Namen mit allen in der Mediathek enthaltenen Dateien, so dass mit einem Klick alle Filme des Akteurs aufgerufen werden könnten. Somit sei Medienberichterstattung in kürzester Zeit möglich.

Haltung im Journalismus

Die verantwortungsvolle Haltung von Journalisten wurde in einer Diskussion zwischen Alexandra Borchardt (Reuters Institute for the Study of Journalism, Oxford), Tanit Koch (Chefredakteurin RTL) und Thomas Hinrichs (Informationsdirektor BR) thematisiert. Borchardt sah „Haltung“ als das ständige Hinterfragen der Journalisten in Bezug auf die Verantwortung gegenüber dem Publikum. Darüber hinaus forderte sie eine neue Redaktionskultur, die mehr Pluralität und Diversität ermögliche. Koch kritisierte, dass der Journalismus in Deutschland zu mittig sei, man aber die ganze politische Bandbreite der Bevölkerung abdecken müsse. Stattdessen forderte sie einen verstärkten Kampagnenjournalismus, der offen zeige, welchen politischen Standpunkt der Journalist oder seine Medienagentur vertrete. Hinrichs erläuterte, dass Journalisten klare Regeln zu vertreten hätten und zwar die einer sachlichen Haltung auf dem Boden des Grundgesetzes. Themen seien z.B. Gleichstellung von Frau und Mann oder europäische Integration. In diesem Sinne seien Medien in der Tat nicht neutral, sondern dem Grundgesetz verpflichtet.

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Als Einsteiger in der Medienbranche

Handlungskompetenz mit Sozialen Medien lieferten Samira Schütz und Julian Wenzel von PULS. Sie erklärten anhand tagesaktueller Praxisbeispiele die aktive Betreuung der eigenen Community auf Plattformen wie Youtube. Mithilfe verschiedener Arbeitsaufträge konnten sich die Teilnehmenden selbst mit dem Erstellen einer interaktiven Instagram-Story, dem Reagieren auf kritische Kommentare oder einem motivierenden „Call-to-Action“ beschäftigen.

Berufsrelevant ging es ebenfalls bei Rieke Harmsen und Christina Geisler vom Evangelischen Presseverband für Bayern zu, wo Basiswissen zu „Wie schreibe ich einen journalistischen Text“ in prägnanten Punkten vermittelt wurde und anhand einer Meldung überprüft werden konnte.

Abschließend berichteten Marion Gehlert (münchen.tv), Clemens Finzer (BR) und Philipp Melzer (HITRADIO RT1) von den Voraussetzungen, Einsatzbereichen und Möglichkeiten eines Volontariats in ihren jeweiligen Rundfunkagenturen.

Daniel Schneider, 1. FS

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