Druckerschwärze, Online-Ausgaben und Berichte vor Ort

Am Mittwochabend besuchten wir die Druckerei und Redaktion der Nürnberger Nachrichten und waren so live an der Erstellung einer Donnerstags-Ausgaben beteiligt. Neben viel recyceltem Altpapier und Fußballberichterstattung waren wir auch bei der inhaltlichen Ausgestaltung der Zeitung beteiligt.

2.600 km Papier für ein Wochenende

Der Lärm der ratternden Metallketten ist ohrenbetäubend, ein starker Geruch von Druckerschwärze liegt in der Luft. Wir befinden uns etwa drei Meter unter dem Grundwasserspiegel und über unseren Köpfen bewegen sich an gelben Klammern Stück an Stück Ausgaben der Nürnberger Nachrichten durch den großen Raum. „Die Produktionsketten haben eine Gesamtlänge von etwa vier Kilometer“, erklärt uns Manfred Burger das Geschehen um uns herum. In verschiedenen Maschinen werden die Mantel-, Regional- und Lokalteile der Zeitung zusammengelegt, um am Ende ein etwa 32 Seiten dickes Exemplar zu ergeben.

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Der gelernte Schriftsetzer führt uns durch alle Bereiche der Druckerei und erzählt uns Grundlegendes zur Entstehung der Zeitung. „Früher funktionierte der Druck wie ein Kartoffelstempel im Kindergarten“, gibt er ein alltagspraktisches Beispiel. Nur die hervorgehobenen Teile einer Druckplatte wurden mit Farbe versehen und brachten die Druckerschwärze auf das Papier. 2003 erfolgte dann die komplette Umstellung auf Offset-Druck. Das heißt, dass eine etwa 0,3 mm dicke Aluminiumplatte belichtet und somit zum Träger einer der vier Farben Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz wird. Da man für eine bunte Zeitungsseite jedoch vier Farbplatten braucht, fällt ein hoher Materialverbrauch an. „Die Platten sind bei den Metallwarenhändlern begehrt“, erläutert Burger den weiteren Werdegang der Einmalprodukte. „Es kann gut sein, dass Sie eine unserer Druckplatten in Form einer Alufelge oder einer Konservendose wiederfinden“, beschreibt er die nachhaltige Produktionskette des Unternehmens.

Nachhaltigkeit ist auch bei den Papierrollen ein Thema. Die meisten der Packen, die rund 20.000 m. Recyclingpapier umfassen, werden in Augsburg geschöpft. Eine Wochenendausgabe benötigt rund 2.600 Kilometer Papier. „Zu den 80% Altpapier kommen noch einmal 20% Abfälle aus der Holzwirtschaft, um dem Papier die nötige Struktur und Festigkeit zu geben“, sagt Burger mit Verweis auf die großen runden Rollen. Eine davon wird gerade von dem ferngesteuerten Roboter „Karl-Heinz“ aufgenommen, um zu einer der Druckmaschinen gefahren zu werden. Hier werden 43.000 Zeitungen pro Stunde gedruckt, der Nachschub mit Papier ist somit entscheidend für die reibungslose Produktion. „Kommt es während der Verarbeitung zu einem Papierriss, hat es einen Zeitausfall von mindestens 15 Minuten zur Folge“, beschreibt er uns die enge zeitliche Taktung im Betrieb. Aber die festangestellten Mechatroniker sorgen für eine ständige Wartung der Druckmaschinen und somit einen reibungslosen Ablauf.

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230.000 Exemplare pro Nacht

Nachdem die Zeitungsteile zusammengelegt worden sind, werden sie noch mit Werbematerial versehen. „Die Auftraggeber lassen es vermutlich kostengünstig in Osteuropa drucken, dann wird es hierher nach Nürnberg gefahren und maschinell einsortiert“, erklärt Burger. Da der niedrige Abonnementenpreis nur 40% der Kosten deckt, ist die Zeitung auf die Werbeeinnahmen angewiesen. Dann werden die einzelnen Ausgaben zusammengepackt, mit Beipackzetteln für die weitere Verschickung versehen, in Folie verpackt und gebunden. Die ersten Exemplare verlassen per LKW den Vertrieb, werden dann auf kleinere Transporter umverteilt, bis sie schließlich bei den einzelnen Zustellern ankommen. „Unser Verteilungsgebiet umfasst Mittelfranken, Teile Oberfrankens und der Oberpfalz“, erläutert Alexander Jungkunz, Chefredakteur der Nürnberger Nachrichten. „Die erste Ausgabe wird gegen 21 Uhr gedruckt, damit sie bei unseren rund 60 km entfernt wohnenden Kunden in Rothenburg o.d. Tauber morgens um 6 Uhr m Briefkasten liegt“, beschreibt er das Zeitmanagement. Etwa 230.000 Exemplare würden im gesamten Gebiet verteilt, gut 3.500 Stück auch per Post versandt.

Wie der Inhalt dieser 230.000 Zeitungen zustande kommt, zeigt uns Jungkunz im Großraumbüro Newdesk des Gebäudes. Hier findet die Tagesplanung der jeweiligen Ressorts der Nürnberger Nachrichten sowie der Nürnberger Zeitung und nordbayern.de statt. Der Vorteil der rund 50 Arbeitsplätze mit den kurzen Wegen sei eine bessere Kooperation untereinander. „Vor allem der Austausch zwischen Online und Print ist essenziell für uns“, verweist Jungkunz mit Hinblick auf sekundenschnelle Berichterstattung aus dem Stadtrat oder dem Stadion. Mit dem Stadion beschäftigt sich auch Tobias Lang, der für die Online-Redaktion das Spiel vom 1. FCN und Kaiserslautern um den DFB-Pokal auf einem Großbildschirm verfolgt. Anhand der Klicks könne man feststellen, wie viele Nutzer den Artikel online läsen. „Die Bildstrecke zur Christkind-Wahl hat in 30 Minuten etwa 2.200 Klicks bekommen“, zeigt er uns auf seinem Bildschirm. Aber im Vergleich zu sonst sei heute eher ein klickarmer Tag, bilanziert er.

Drei unterschiedliche Versionen einer Ausgabe

Georg Escher beschäftigt sich auf der Weltspiegelseite gerade mit einem Urteil zur Jugendgefährdung eines Bushido-Albums. Das Textfeld, im Fachjargon „Karton“ genannt, ist hellblau umrahmt, was bedeutet, dass es gerade bearbeitet wird. Ist ein Artikel fertig korrigiert, erscheint er in grüner Farbe. Ist der Text hingegen zu lang, wird er rot markiert. „Alles im grünen Bereich“ ist also die positive Aussage eines Zeitungsredakteurs. Dass es im Bereich Innen- und Außenpolitik aber auch sehr schnell und stressig zugehen kann, erkennt man an den ständigen Abfragen aus aller Welt, die seitlich seines Bildschirms erscheinen. Nachdem er etwa einen Artikel zu Verfassungsgesprächen der verfeindeten Syrien-Parteien in Genf eingefügt hat, erscheint eine Meldung zur Plagiatsdebatte von Familienministerin Giffeys Doktorarbeit. „Welche Artikel aus dem Politikbereich soll man aufgrund dieser aktuellen Meldung rausnehmen?“, fragt er uns. Nach längerem Abwägen ersetzt er den Text um die Gespräche in Genf mit der Nachricht, dass Frau Giffey ihren Doktortitel behalten darf. „Die Ausgabe B, die als erstes gedruckt wird, hat noch den Syrien-Artikel“, verrät Escher uns. Das heißt, Leser in Rothenburg o.d. Tauber erhielten die „ältere“ Printausgabe von 19 Uhr, während die Menschen in Erlangen die um 20:30 Uhr aktualisierte Version mit dem Giffey-Text in den Briefkasten bekämen. „Im Laufe eines Abends gibt es durchschnittlich drei unterschiedliche Versionen einer Zeitungsausgabe“, sagt er. An die jeweiligen Meldungen komme man in der Region durch festangestellte oder freie Mitarbeiter, skizziert Escher die Beschaffung von Informationen. „In Berlin, London oder Istanbul haben wir eigene Korrespondenten vor Ort“, erklärt er. Für alles, was auf anderen Kontinenten passiere, sei man auf andere Nachrichtenagenturen angewiesen, für deren Beiträge man als NN zahlen müsse. „Die Stärke der Nürnberger Nachrichten liegt in ihren lokalen Vernetzung vor Ort“, verrät er uns. So liefere man den einheitlichen Mantelteil, während rund 20 Lokalredaktionen, etwa in Pegnitz, Bad Windsheim oder Hilpoltstein für die Ereignisse vor Ort zuständig seien.

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Ein herzliches Dankeschön an alle Verantwortlichen für die vielseitigen und praxisnahen Einblicke. Auch für das schöne Panorama von der Dachterrasse aus hin zur erleuchteten Kaiserburg…

Daniel Schneider, 1.FS

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