Second Life Fashion – Wie ein Startup alten Kleidern zu neuem Leben verhilft

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Vergangene Woche fanden die Nachhaltigkeitstage an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg statt. In der von „sneep“ organisierten und mehrere Tage andauernden Veranstaltungsreihe wurden Podiumsdiskussionen, Workshops und Vorträge zu den Themen Wirtschaft, Klima und Fashion angeboten. Beteiligt haben sich dabei nicht nur große Unternehmen wie H&M, BMW und Adidas, sondern auch das kleine Startup Second Life Fashion, das sich mit einem einzigartigen Geschäftsmodell gegen den blinden Konsum und für eine nachhaltige Zukunft verschrieben hat.

Das billige Geschäft mit „Fast-Fashion“

Wer häufiger bei den großen Modeunternehmen einkauft, dem mag dreierlei auffallen:  Die schnell wechselnden Kollektionen, die Schaufensterpuppen und Kleiderständer zieren, der niedrige Preis, der den Kauf zur Pflicht werden lässt, und schließlich die ersten kleinen Löcher, mit denen die erst kürzlich gekaufte Ware ihr Leben aushaucht.
Vor allem Textilriesen wie H&M, Forever21 oder Zara setzen auf das Geschäftsmodell „Fast-Fashion“. Durch eine hohe Fluktuation schnelllebiger Billig-Kollektionen sollen die Kunden dazu bewegt werden, die Filialen immer häufiger zu besuchen, um sich auf die vermeintliche Schnäppchenjagd zu begeben. Das Ziel: Gewinnmaximierung.
Der Gebrauchsartikel Kleidung wird zum Verbrauchsartikel degradiert, was dazu beiträgt, dass in Deutschland jedes Jahr ungefähr 750.000 Tonnen an alten Kleidern weggeworfen werden.

Von der Idee zum Startup

Um diesem verschwenderischen Trend entgegenzuwirken, gründeten die beiden Jungunternehmer Lisa und Florian Hagn 2016 ihr gemeinsames Startup Second Life Fashion. Für Lisa Hagn wurde damit ihr Hobby zum Beruf. Schon vor der Gründung ihrer eigenen Firma verkaufte sie ihre alten Kleider auf Modeplattformen wie Kleiderkreisel und ging dann dazu über, die gebrauchten Stücke ihrer Freunde für eine kleine Provision zu verkaufen. Damit war die Geschäftsidee war geboren.     

Das Geschäftsmodell – Ein Win-Win-Win-Projekt

Gebrauchten Kleidern ein zweites Leben schenken. Eine Idee, die zunächst ziemlich simpel wirkt, in der jedoch weitaus mehr steckt: Die jungen Unternehmer haben es sich zur Aufgabe gemacht, das schäbige Image von Second Hand Kleidung zu revolutionieren und das auf eine Art, durch die alle profitieren. So bilden nicht nur gespendete Kleider das stetig wachsende Sortiment von Second Life Fashion. Anders, als dessen Konkurrenz, ist das Startup dazu bereit, Kleidung in Mengen ab 15 Stück deutschlandweit zu einem verhandelten Preis anzukaufen, wofür es darüber hinaus auch die Versandkosten übernimmt.
Bevor die Ware aber zum Verkauf angeboten werden kann, wird sie auf ihre Qualität geprüft. Was Flecken oder Löcher hat, unangenehm riecht oder unvollständig ist, wird an den Absender zurückgesendet. Auch das gehört zur Geschäftsidee: Damit Second Hand Kleidung langfristig ein besseres Image erhält, werden nur ehemals teure Markenstücke für den Verkauf angeboten, die in einwandfreiem Zustand sind.
Wenn die Spenden die strengen Kriterien erfüllen, werden sie anschließend  etikettiert, aufbereitet und für den Onlineshop fotografiert. Dabei werden manche Stücke direkt zu kompletten Outfits zusammengestellt, was beweist, dass sich guter Style und Second Hand Mode in der richtigen Kombination nicht widersprechen müssen. Entscheidet sich eine Kundin dann für das Angebot, wird die Bestellung in einem letzten Schritt vorbereitet und ökologisch nachhaltig verpackt. So wird ungeliebter Kleidung ein neues Leben geschenkt, die Käufer erfreuen sich an schöner und nachhaltiger Kleidung und auch der Umwelt wird durch eine möglichst geringe Belastung ein Gefallen getan. Eine Win-Win-Win-Situation!

Sebastian Brünnel, 1. FS

Nachhaltigkeit – inzwischen nur noch eine Worthülse?

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Die Nachhaltigkeitstage der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg finden in diesem Jahr vom 26. bis 28. November statt. Initiiert haben das Projekt Studierende der Lokalgruppen von „student network for ethics in economics and practice“, kurz „sneep“. Angeboten werden Workshops, Vorträge und Podiumsdiskussionen zu den Themenbereichen Wirtschaft, Klima und Fashion. Wie sieht es aus mit der Nachhaltigkeit bei H&M? Wird die Ware so produziert, dass es ethisch und ökologisch vertretbar ist, sie zu kaufen? Auch auf so konkrete Fragen werden in einem Workshop Antworten gegeben und diskutiert.

Nachhaltigkeit als Prinzip der Verantwortung

Was bedeutet Nachhaltigkeit eigentlich? Laut Duden ist es “ein Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann.“ Es geht also um den Umgang mit endlichen Ressourcen. Dieser betrifft sowohl die Produktion in großen Unternehmen als auch die VerbraucherInnen, die auf dem freien Markt eben auch die freie Wahl haben. Wir alle treffen jeden Tag Entscheidungen, die nicht nur Auswirkungen haben auf uns, sondern vor allem auf das, was nach uns ist.
Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Prinzip, das den Verbrauch regelt, sondern vor allem ein „Prinzip der Verantwortung“, das bereits der Philosoph Hans Jonas angelehnt an Kants Kategorischen Imperativ im Jahr 1979 formuliert hat: „Handle so, daß die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf der Erde“. Bis heute kann diese Maxime ein guter Entscheidungsfinder sein.

Die Modebranche in der Kritik 

Vor allem die Modebranche stand und steht enorm in der Kritik. Seit den ersten Fabrikbränden in Bangladesch und anderen Ländern mit vielen Todesopfern wird der Branche vorgeworfen, keine Verantwortung für die Produktion der Ware zu übernehmen, mit der sie handelt. Am Pranger stehen vor allem Fast-Fashion-Konzerne wie Primark, Zara und H&M. Die Vorwürfe lauten: unzumutbaren Arbeitsbedingungen für NäherInnen im fernen Asien, Hungerlöhne, die nicht einmal das Existenzminimum sichern, Umweltbelastungen für Mensch und Natur. Nichts scheint abwegiger als der Gedanke, dass sich gerade solche Unternehmen mit nachhaltiger Produktion rühmen. Auf der Homepage von Primark beispielsweise aber kann man nachlesen, dass die Produkte mit Achtung vor dem Menschen und der Umwelt hergestellt würden. Wie passt das zusammen und wie soll das funktionieren? Seit 2017 sind größere Unternehmen dazu verpflichtet, einen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen. Es ist vor allem aus medienethischer Sicht interessant, zu beobachten, wie sich die Verwendung des Begriffes Nachhaltigkeit immer weiter entfernt von dem, wofür er eigentlich steht, nämlich für einen verantwortungsvollen Umgang mit Mensch und Umwelt.

Für das schwedische Textilhandelsunternehmen H&M (Hennes & Mauritz) ist das kein Widerspruch: Ein dialogorientiertes Konzept zwischen Management und ArbeiterInnen soll helfen, faire Löhnen zu realisieren. Nach eigenen Angaben klärt der Konzern die NäherInnen über ihre Rechte und ManagerInnen über ihre Pflichten auf. Demokratische MitarbeiterInnen-Vertretungen sollen die Stimmen der ArbeiterInnen stärken.

Konkrete Ziele, schwammige Antworten

Aus dem im Jahr 2017 veröffentlichten Bericht des Fast-Fashion-Konzerns geht unter anderem hervor, dass bis 2030 ausschließlich recycelte Materialien oder Materialien aus anderen nachhaltigen Quellen verwendet werden sollen. Dadurch entstünde eine Win-Win-Situation. Es werde verhindert, dass Ressourcen auf Mülldeponien landen, gleichzeitig werde der Verbrauch von neuen Rohstoffen reduziert, heißt es auf der Website. Das übergeordnete Ziel des Konzerns ist damit ein zirkuläres Modell.

Bereits jetzt sei es der H&M-Gruppe gelungen, recyceltes Polyester zu verarbeiten, welches der Menge von ungefähr 100 Millionen PET Flaschen entspreche, ist zu lesen. Und in der Tat: Der Bekleidungskonzern ist laut der Non-Profit Organisation „Textile Exchange“ auch der größte Abnehmer von nachhaltig produzierter Baumwolle. Außerdem gab es die erste nachhaltige Bademodekollektion und es wurde eine Absichtserklärung für existenzsichernde Löhne der ArbeiterInnen unterschrieben.
Auf den ersten Blick wirkt das alles sehr ambitioniert, und H&M muss auch etwas ändern. Es ist lange her, dass die Massen wegen einer Karl-Lagerfeld-Kollektion hysterisch in die Läden gestürmt sind. Zwar war die neue Moschino-Kollektion von Jeremy Scott, die er in einer Kollaboration mit H&M im November herausbrachte, nach wenigen Minuten ausverkauft, das ist aber vielleicht auch der erste Verkaufserfolg seit Langem, den das Unternehmen zu vermelden hat.
Der Konzern blickt auf ein unruhiges Jahr zurück: Es wurden Rassismusvorwürfe laut, und es gab einen massiven Shitstorm zu Beginn des Jahres, weil auf den Online-Kanälen des Konzerns ein dunkelhäutiges Kindermodel zu sehen war, das einen Pullover mit der Aufschrift „Coolest Monkey in the Jungle“ (auf Deutsch: Coolster Affe im Dschungel) trug. Die weltweiten Proteste kamen für den Konzern zur Unzeit, denn die Gewinne blieben schon seit Längerem hinter den Erwartungen zurück, die Aktie befand sich auf Talfahrt. In diesem Jahr gab es auch weniger Neueröffnungen, zudem schwächelt H&M im Vergleich zu Konkurrenten wie Zara im Onlinegeschäft. Das Konzept der trendigen, aber billigen Mode scheint für H&M nicht mehr aufzugehen.

So konkret die neuen Ziele des Konzerns auch sein mögen, so schwammig ist der Nachhaltigkeitsbericht: Vor allem in puncto Löhnen wurden konkrete Zahlen vermieden, und die angegeben Daten können nicht überprüft werden. Beispielweise ist unklar, inwiefern sich das „improved wage management system“ (übersetzt „verbesserte Lohnsystem“) des Konzerns in den Löhnen der ArbeiterInnen wiederspiegelt und wie sich der Lohn zu den Lebenshaltungskosten im jeweiligen Produktionsland verhält.
Zwar zeichnet sich im Nachhaltigkeitsbericht eine Strategie mit dem Willen zur Veränderung ab, jedoch fehlen konkrete Angaben. Die H&M-Gruppe, zu der auch Marken wie COS, & Other Stories und Weekday gehören, will etwas verändern und will seine KundInnen dazu bringen, die Mode des Konzerns nicht als Wegwerfprodukt anzusehen. Es bleibt fraglich, wie das einem Unternehmen gelingen soll, das sich mit einer veränderten Strategie erst wieder neu auf dem Markt positionieren und das Vertrauen der KundInnen zurückgewinnen muss.

Einen tieferen Einblick in die nachhaltige Entwicklung bei H&M gibt Hendrik Heuermann, Sustainability Manager, auf den Nachhaltigkeitstagen der FAU. Wer sich für das Thema interessiert, sollte sich mit einer umgehenden Anmeldung unter  www.nachhaltigkeitstage-fau.de noch einen Platz in dem Workshop sichern.

Beate Laurenti, 1. FS

Blockchain, Künstliche Intelligenz und haufenweise Kugelschreiber

Warum es sich lohnt, auf Messen zu gehen? Weil man mit großer Wahrscheinlichkeit mit einer Tasche nach Hause geht, die bis zum Rand voll mit Kugelschreibern, Flyern und Werbegeschenken von Firmen ist, die man bis dahin nicht kannte, oder umgekehrt: Man möchte von den bekanntesten Unternehmen der Branche einen Jutebeutel, einen Block oder etwas Anderes haben – schon des Namens wegen. Die Give Aways scheinen Grund genug zu sein, um sich auf einer Messe wie den MEDIENTAGEN MÜNCHEN einmal umzusehen.

Wie die Technisierung die Medienwelt verändert  

Mehr als 7000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer und etwa 400 Expertinnen und Experten: Die MEDIENTAGE MÜNCHEN sind Europas größter Medienkongress. Das diesjährige Motto „Engage! Shaping Media Tech Society“ wurde drei Tage lang in Panel-Diskussionen, Keynotes und im Rahmen des Expo-Programms diskutiert. Im Fokus standen dabei Themen wie Blockchain, Künstliche Intelligenz, China und Publishing. Wer jetzt mindestens einmal die Stirn gerunzelt hat, ahnt vielleicht schon, dass man auf Messen nicht nur Give Aways, sondern auch reichlich Input sammeln kann, über aktuelle Tendenzen in der schnelllebigen Medienbranche. Beispielsweise versteht man unter dem Buzzword Blockchain (auf Deutsch „Blockkette“) vereinfacht eine stetig wachsende Datenbank, die eine große Menge von Datensätzen sammeln, analysieren und verschlüsseln kann. Dadurch lassen sich verschiedene Inhalte genau einem Urheber zuordnen. Im Zeitalter von Fake News wurde daher auf den MEDIENTAGEN diskutiert, welchen Einfluss Blockchain auf die Glaubwürdigkeit von Medien haben kann.

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Medien zum Anfassen

Weniger kryptisch und mehr praktisch zeigt sich das Expo-Programm, das sich vor allem an Young Professionals und Studierende aus dem Bereich Medien und Kommunikation richtet. Die kongressbegleitende Messe bietet unter anderem die Möglichkeit, Virtual Reality auszuprobieren oder auch zu networken: In der Recruiting Area präsentieren sich Unternehmen wie die Mediengruppe RTL oder ProSiebenSat.1 als potentielle Arbeitgeber. Bei einem längeren Plausch springt vielleicht nicht nur ein mehr oder weniger nützliches Gadget, sondern möglicherweise sogar ein Praktikumsplatz oder ein Job als Werksstudentin oder Werksstudent heraus.

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Noch lockerer geht es auf dem Mediencampus zu, der sich in diesem Jahr als Medien Saloon im Wilden Westen präsentiert. Wer sich nicht gerade in Moderation oder Kameraführung üben will, der hat sich nach all den Ständen, Gesprächen und Informationen eine Auszeit beim Bullriding verdient. Nach einer kurzen Pause hat man dann auch wieder genug Energie, um an Workshops teilzunehmen oder auf der Bühne verschiedenen Vorträgen zu lauschen. Gerade für Studierende ist es interessant zu hören, wie nach dem Studium der Einstieg in den Job gelingt. Was man machen kann, um seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen, und was von den Bewerberinnen und Bewerbern erwartet wird, habe ich Gregor Schmalzried (BR) und Doris Grau (Antenne Bayern) gefragt.

Eine Frage, zwei Seiten

Gregor Schmalzried (23) hat Anglistik studiert, lange Zeit beim Campusradio m94.5 (ein Angebot der MEDIASCHOOL Bayern) gearbeitet und ist jetzt für den Bayerischen Rundfunk tätig. Auf den Medientagen hat er zusammen mit Kevin Schieber (Radio Bamberg) über das „Sprungbrett Campusradio“ gesprochen.

Herr Schmalzried, was braucht es, um den Sprung von der Uni in das Arbeitsleben zu schaffen?

Alle Leute, die ich kenne, die in ihrem Job wirklich gut sind, ob RedakteurInnen oder ModeratorInnen, zeichnen sich dadurch aus, dass sie wirklich viel machen. Jeder hat mindestens ein Projekt, das er neben seiner eigentlichen Tätigkeit stemmt. Damit will man nicht unbedingt Geld verdienen, man macht das einfach gerne, weil es einem weiterhilft. Sei es Schreiben lernen oder Sprechen lernen, auch vor Publikum. Das kann Poetry-Slam sein, man kann einen Blog haben, man kann einen Podcast mit seinem Freund starten, selbst, wenn das niemand hört und man nicht berühmt wird. Es ist einfach hilfreich über die klassischen – akademischen – Ausbildungswege hinaus seine Zeit in kreatives Arbeiten zu investieren und auch neue Ideen auszuprobieren. Das geht nur, wenn man seine Freizeit gerne in solche Dinge steckt.

Gregor Schmalzried, Kevin Schieber und Moderator Sven Goblirsch (v.l.n.r.)

Gregor Schmalzried, Kevin Schieber und Moderator Sven Goblirsch (v.l.n.r.)

Doris Grau arbeitet bei der Unternehmensgruppe Antenne Bayern im Bereich Personal- und Finanzwesen. Auf der Mediencampus Bühne gibt sie Tipps und Tricks für eine erfolgreiche Bewerbung. Auch sie betont, dass bei Antenne Bayern bei redaktionellen Berufen Audio-Erfahrungen bereits vor dem Ausbildungsstart von Vorteil seien. Egal, ob ein eigener Podcast oder ein Praktikum, vor allem letzteres dient oft als Sprungbrett.

Frau Grau, was erwarten Sie von jungen Leuten, die sich bewerben?   

Das Allerwichtigste ist, dass sie Lust darauf haben, im Job zu gestalten. In unserem Fall als Audio-Entertainment-Haus, dass sie Lust haben, die Audio-Welt von Morgen mitzugestalten, sie sich einbringen. Wir wollen sehen, was sie schon können, um mitzuwirken, und auch, dass BewerberInnen selbstkritisch sagen, was sie noch nicht können und dazulernen wollen. Wir wollen so zusammenarbeiten, dass sich die BewerberInnen auch weitentwickeln, in die Richtung, die wir uns beide vorstellen. Einfach der starke Wunsch, Dinge zu bewegen.

Doris Grau und Moderator Sven Goblirsch (v.l.n.r.)

Doris Grau und Moderator Sven Goblirsch (v.l.n.r.)

Am Ende eines langen Tages hatte ich jedenfalls beides: Haufenweise Kugelschreiber und einen wirklich interessante Tag, mit vielen Eindrücken. Wer sich für Medien interessiert, hat nächstes Jahr im Oktober wieder die Gelegenheit, die MEDIENTAGE MÜNCHEN zu besuchen.

Beate Laurenti, 1. FS

Eintauchen in eine fremde Religion – Interview mit dem Imam der Friedensmoschee Erlangen

Im Rahmen des Seminars „Islam in Medien und Öffentlichkeit“ von Dr. Najat Abdulhaq besuchen wir die Friedensmoschee in Erlangen und nehmen am Gebet der muslimischen Gemeinde teil. Da wir in dem Kurs neben den religiösen Grundlagen vor allem die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Islam in Medien und Öffentlichkeit erlernen, ist es wichtig, den Islam in der Öffentlichkeit selbst mitzuerleben und einen Imam und seine Gemeinde persönlich zu treffen. Für die meisten von uns ist der Besuch der Moschee die erste unmittelbare Erfahrung mit muslimischem Alltag. Den ganzen Vormittag sehen wir viel Neues und Unbekanntes. Da stellen sich uns natürlich viele Fragen. Nach dem Gebet erhalten wir die Chance auf die Beantwortung all dieser Fragen.

Wie groß ist die Gemeinde?

Wir haben eine feste Mitgliederzahl von 100 Leuten. Mit Besuchern sind es 400 bis 500 Menschen.

Woher nehmen Sie die Inspiration für ihre Predigten?

Ich lasse mich von dem Verhalten der Gemeinde inspirieren, aber auch von Hintergründen, welche die Gemeindemitglieder bewegen. Ich verwende theologische Themen aber auch alltägliche, die einen Bezug zu Jugendlichen, Frauen, Männern haben. Gemeindemitglieder machen Vorschläge und ich greife sie auf. Wenn in den Medien ein aktuelles Thema behandelt wird (Gewalt, Terror etc.), wird das auch in der Predigt diskutiert. Wir sind ein Teil dieser Gesellschaft und wollen dahingehend einen Beitrag leisten.

Was ist Ihr Eindruck von der aktuellen Berichterstattung über den Islam? Hat sich die Berichterstattung gewandelt?

Die Medien sind ein großes Problem. Sie zeigen nicht, wie die Gemeinden in Deutschland sind, sie zeigen nicht das wahre Bild der muslimischen Gemeinde in Deutschland. Sie zeigen, wenn es um den Islam geht, diesen als eine geschlossene Gemeinde, die sich nur mit sich selbst beschäftigt und sich nicht um die Gesellschaft kümmert und extremistische Gedanken hat. Solche Berichterstattungen stören uns wirklich sehr. Wir versuchen, diesem Bild entgegenzuwirken, indem wir mit unseren wissenschaftlichen Institutionen auf die Straße gehen, um zu zeigen, was uns wirklich ausmacht und wer wir sind. Wir arbeiten eng mit der Stadt zusammen und besprechen unterschiedliche Themen und Bereiche. Aber die Medien selbst sind noch nicht auf uns zugekommen. Dafür ist der Vorstand der Moschee zuständig.

Sie kommen ursprünglich aus Ägypten. Wie sind Sie nach Deutschland gekommen und was hat Sie dazu bewegt?

In Kairo habe ich an der Azhar Universität fünf Jahre studiert. Dort gibt es eine Abteilung Islamwissenschaft für verschiedene Sprachen – Und ich habe Deutsch gewählt. Anschließend war ich zwei Jahre als Imam in Ägypten tätig. Danach wollte ich mein Studium weitermachen und bin 2002 nach Freiburg gekommen. Ich habe dort Religionsgeschichte und Islamwissenschaften studiert und auch meinen Magister gemacht. Nach dem Studium habe ich Arbeit gesucht und seit Anfang 2010 wurde ich dann hier in Deutschland als Imam tätig.

Gibt es ein (Auswahl-)Verfahren, um Imam in Deutschland zu werden? Wie ist generell das Verfahren Imam einer Gemeinde zu werden?

Als Entsandter hierherzukommen ist eher selten. In Deutschland gibt es nur einen entsandten und von der Regierung finanzierten Imam. Ich bin nicht über ein Auswahlverfahren hergekommen. Ich bin kein Entsandter aus Ägypten, sondern habe mir mein Studium hier selbst finanziert und bin aus privatem Antrieb hergekommen.

Das Auswahlverfahren liegt in der Verantwortung des Vorstands der Gemeinden. Wenn eine Gemeinde einen Imam braucht, dann suchen sie einen, der qualifiziert ist. Er muss bestimmte Sachen vorweisen, er muss den Koran kennen, eine theologische Ausbildung haben und muss auch eine Probezeit als Imam durchlaufen. In türkischen Moscheen ist es anders, die Imame werden von der Regierung nach Deutschland geschickt.

Das Interview führte Janina Süß, 1. FS

Warten auf… ja, auf wen eigentlich?

Na, klingelt bei euch heute Abend ein Glöckchen und das Christkind war da? Oder stellt ihr eine Tasse Kakao für den Weihnachtsmann auf den Kaminsims? Wer auch immer zu euch kommt und die Geschenke bringt: Es bleibt die Frage, welchen Ursprung diese Bräuche haben.

girl-angel-1022595_960_720Goldblonde, lange Locken und ein weißes Glitzerkleid – so stellt man sich das typische Christkind vor. Der Brauch gilt als  protestantischer Gegenentwurf zum katholischen Nikolaus und ist – wie die Reformation selbst – bereits 500 Jahre alt. Für Katholiken bringt hingegen der Nikolaus am 6. Dezember die Geschenke und das schon seit dem 6. Jahrhundert. Die Bescherung am Heiligen Abend gibt es so, wie wir sie kennen, erst seit der Reformation. Denn die Protestanten brechen damals mit der Heiligenverehrung und bestehen auf eine Bescherung am Heiligen Abend statt am Todestag des Heiligen Nikolaus. Martin Luther erfindet den „Heiligen Christ“ als Gabenbringer, so dass auch Protestanten an Weihnachten Bescherung feiern können. Zu Beginn taucht das Christkind noch zusammen mit dem Nikolaus auf. Katholiken behalten das Schenken am Nikolaustag noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts bei.

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Der Weihnachtsmann entsteht  – ungefähr gleichzeitig zum Christkind –  ebenfalls im 16. Jahrhundert, jedoch ohne christlich-biblischen Hintergrund. Nur das Aussehen des Weihnachtsmanns erinnert an einen christlichen Aspekt: denn er ähnelt dem Nikolaus sehr. Das heutige Bild mit weißem, langen Rauschebart und rot-weißem Kostüm geht auf eine Werbekampagne des Coca-Cola-Konzerns zurück. Seit 1932 ersetzt diese Werbefigur nun in vielen Regionen das Christkind.

Und wer kommt jetzt zu wem?

Weltweit kann keine feste Grenze zwischen Weihnachtsmann und Christkind gezogen werden. Regionale Befindlichkeiten in Deutschland sprechen aber für sich: Das Christkind besucht vor allem Haushalte in West-, Südwest- und Süddeutschland. Der Weihnachtsmann beschert vor allem Kinder in Mittel-, Nord- und Ostdeutschland.

Woher man das weiß? Mittlerweile wissen das Suchmaschinen! Das Suchvolumen nach dem Weihnachtmann liegt in Sachsen bei 100 Prozent, während Onlinerecherchen im Süden, v.a. in Bayern, ausschließlich das Christkind betreffen.

Wer nun auch immer bei euch heute Abend zu Besuch kommt: Genießt die Feiertage mit euren Liebsten und lasst uns gemeinsam die Geburt Christi feiern– ob ihr nun nach dem Christkind läutet oder den Weihnachtsmann auf ein Heißgetränk einladet. Frohes Fest!

Tina Stanzel, 1. FS

Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum…

wie grün sind deine Blätter: Jedes Jahr vor Weihnachten erwacht er wie aus einem Sommerschlaf. Der Weihnachtsbaum, Christbaum oder schlichtweg Tannenbaum. Alles scheint nur auf ihn gewartet zu haben. Weihnachtsbaumständer und Christbaumschmuck werden hervorgekramt; Lichterketten, Glaskugeln, Strohsterne, kleine rote Äpfelchen, Figuren, Lametta und Süßigkeiten. Jedes Jahr beginnt das gleiche Prozedere: Hat der Weihnachtsbaum heute noch eine Bedeutung?

Der Tannenbaum erscheint wie ein heidnischer Weihnachtsbrauch, der über die Jahre zur Weihnachtsroutine erstarrt ist. Der Tannenbaum darf nicht fehlen, ob im Baummarkt nebenan gekauft oder selbst geschlagen wie Familie Griswold in „Eine schöne Bescherung“. Irgendwo müssen die Geschenke ja abgelegt werden, oder?

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Oder warum stellen wir zu Weihnachten einen Tannenbaum auf?

Der Brauch, einen Baum zu bestimmten Festtagen zu schmücken, reicht bis ins Mittelalter zurück. So kennen wir Maibäume, um die am 1. Mai getanzt wird, oder Richtbäume, die den fertiggestellten Dachstuhl verzieren. Der Tannenbaum zu Weihnachten hat seine ganz eigene Geschichte. Weihnachten galt als kirchlicher Gedenktag Adams und Evas. Zu diesem Anlass wurde im Mittelalter die Paradiesgeschichte (1.Mose 2-3) aufgeführt.

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Der Weihnachtsbaum war ursprünglich ein Laubbaum.

Die Geschichte in Kürze:
Bei Adam und Eva im Paradies befand sich der Baum der Erkenntnis. Gott hatte ihnen verboten, die Früchte dieses Baumes zu essen. Eine hinterlistige Schlange überredete Eva und Eva überredete wiederum Adam, die Frucht des Baumes zu essen. Das hatte natürlich Folgen. Die weitreichendste war, dass sie von Gott aus dem Paradies fortgeschickt wurden. Das ist die Geschichte des sogenannten Sündenfalls.

Die Paradiesgeschichte erzählt, wie die Sünde in die Welt kam. An Weihnachten feiern wir die Geburt von Jesus Christus. Denn Gott hat Jesus auf die Welt gesandt, damit er uns von den Folgen des Sündenfalls befreit. Darum feiern Christen auf der ganzen Welt Weihnachten.

In den weihnachtlichen Aufführungen der Paradiesgeschichte symbolisierte der Apfel die Frucht des Baumes der Erkenntnis: Die Frucht, die Eva so frisch, lecker und verlockend erschien. Diese Frucht hing also an einem Apfelbaum.

Du grünst nicht nur zur Sommerzeit, nein, auch im Winter, wenn es schneit.

Ja, Laubbäume verlieren im Winter ihre Blätter. Die Vorstellung, dass ein kahler Baum verlockende Äpfel trägt, passte nicht ins Bild. So wurde aus dem paradiesischen Baum ein grüner Tannenbaum.

Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter!

Heutzutage scheint die Bedeutung hinter dem Tannenbaum weitestgehend verloren gegangen zu sein. Der Tannenbaum dient eher der Dekoration und die richtige Auswahl wird entscheidend: „Das Ding würde nicht mal in unseren Garten passen!“ Deswegen immer daran denken, was Clark Griswold seinem Sohn antwortet: „Der soll ja auch nicht in unseren Garten, Rusty, er soll ins Wohnzimmer.

Oh Tannenbaum!

Jasmin Jäger, 1. FS

Ihr selbst seid eures Löschens Schmied!

Wie Facebooks Image-Kampagne nun auch die Journalistik-Branche integriert

Facebook macht Werbung. Seit einiger Zeit wirbt der Konzern bei YouTube, auf Plakaten und auf dem Sendeplatz direkt vor der Tagesschau. „Ich habe mal was gepostet, was ich nie, nie hätte teilen sollen“, klagt beispielsweise eine junge Frau und die Werbung gibt ihr natürlich gleich Antwort.
Den Umgang mit Facebook kann man lernen, so zumindest die Botschaft der Kampagne.

Das ist schon ein cleverer Schachzug, die Kritik aufzugreifen, um sie im nächsten Zug zu entkräften. Denn Facebook ist umstritten. Es gilt als intransparent und deshalb unsympathisch. Die kostspielige Werbekampagne soll das Image nun aufpolieren. So erfährt die junge Frau in der Werbung: Löschen ist möglich! Löschen ist möglich oder auch einfach Interpretationssache. „Löschen“ bedeutet nämlich nicht gleich das Verschwinden der Daten.

Zu Recht sind viele skeptisch gegenüber den neuen Facebook-Versprechen. Denn Facebook greift Probleme und Kritik der Nutzer auf und verweist sie auf sich selbst. Die Verantwortung liegt bei dir. Du musst dich zum Beispiel um deine Privatsphäre kümmern. Die Einstellungen sind vorhanden und warten nur darauf bedient zu werden.

Dass der richtige Umgang mit Facebook nicht so leicht ist, scheint dem Konzern bewusst zu sein. Seit Ende Oktober bietet Facebook Journalisten-Trainings für die sozialen Netzwerke Facebook und Instagram an: https://www.facebook.com/facebookmedia/journalists

Einerseits bindet Facebook die Journalisten dadurch an den Konzern und baut im Medienbereich seine monopolartige Stellung weiter aus. Andererseits sollten insbesondere Journalisten die nötigen Fähigkeiten zur Bedienung sozialer Netzwerke erlernen. Denn auch wenn Facebook ein schlechtes Image hat, nutzt es doch fast jeder: egal ob mit oder ohne Werbung.

Jasmin Jäger, 1. FS

Spotted: Horror-Clowns

Der Hype um Killer-, Grusel- oder Horror-Clowns sorgt in Deutschland für immer mehr Besorgnis. Auf sogenannten “Spotted”-Seiten auf Facebook werden nun Sichtungen der gruseligen Gestalten gesammelt – darunter auch Falschmeldungen und Aufrufe zur Selbstjustiz.

Screenshot der Facebook-Seite „ Spottet Horror Clowns“

Screenshot der Facebook-Seite „ Spottet Horror Clowns“

Clowns, so wie viele sie aus ihrer Kindheit kennen, sind fröhlich, tollpatschig, frech und bringen Menschen zum Lachen. Doch immer häufiger treten die spaßigen Gesellen nun als sogenannte Killer-, Grusel- oder Horror-Clowns in Erscheinung. Das aus den USA stammende Phänomen verbreitet sich vor allem über soziale Medien und ist nun auch in Deutschland ein präsentes Thema. In gruselige Clownskostüme gekleidet, lauern sie Passantinnen und Passanten auf und greifen diese teilweise mit Waffen an. Das kann betroffene Menschen zutiefst erschrecken und verstören, aber auch für die Clowns selbst kann der vermutlich harmlos gemeinte Spaß, böse nach hinten losgehen. So wurde in Berlin-Lichterfelde ein Grusel-Clown, der mehrere Jugendliche mit einem Hammer erschrecken wollte, von einem der Jungen mit einem Messer lebensgefährlich verletzt.

Eine Reaktion auf das Gruselclown-Phänomen ist derzeit die Neugründung von “Spotted”-Facebook-Gruppen. Eigentlich sind „Spotted-Seiten“ ein Konzept der Social Media Plattform Facebook, die anonym die Suche und Ansprache von Personen ermöglicht. Unter Studenten eher bekannt als Kanal, um den Flirt aus der letzten Vorlesung oder dem letzten Disco-Besuch zu kontaktieren. Doch mit der Horror-Clown- Panik werden die Spotted-Gruppen in dem sozialen Netzwerk nun für andere Zwecke benutzt. Sie werden zum Sprachrohr für Menschen, die ein akutes Bedrohungsgefühl gegenüber Grusel-Clowns empfinden. Derartige Facebook-Gruppen haben sich der Sichtung und Bekämpfung des Phänomens verschrieben.

Neben gut gemeinten Warnungen wird dort jedoch auch immer häufiger zur Selbstjustiz aufgefordert. So werden unter anderem Handlungsanweisungen gegeben, die nichts anderes als Aufforderungen zur Selbstjustiz darstellen. „Für solches Pack hab ich meinen Baseballschläger X-X“, „Bevor ihr einen Clown angreift”, „Los los los!!! Schnell Handeln“ oder „Pfefferspray und Schlagstock und ab geht’s“ lauten einige Anleitungen und Kommentare in diversen Spotted-Horrorclown Gruppen.

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Screenshot der Facebook-Page ‘Spotted Clowns Salzburg’

Screenshot der Facebook-Page 'Spotted-Horror Clowns'

Screenshot der Facebook-Page ‘Spotted-Horror Clowns’

Andere User nutzen die Gruppen scheinbar auch, um bewusst Falschmeldungen zu platzieren. Die Organisation Mimikama, eine internationale Anlaufstelle zur Aufklärung von Internetmissbrauch, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Gerüchten und Falschmeldungen, die über Facebook publiziert wurden, auf den Grund zu gehen und diese auf ihre Echtheit zu überprüfen. Das Ergebnis: Auf entsprechenden Seiten wurden mehr als 400 Fake-Einträge zum Thema Killer-Clown gefunden.

Kurz vor Halloween gibt es gruselige Clowns-Masken fast überall zu kaufen. Aber auch die Ladenbesitzer sind sich um der Hysterie bewusst. So möchte die Ladenbesitzerin, die hier nicht genannt werden möchte, diese bisher zum Verkauf angebotenen Masken aus dem Sortiment nehmen.

Kurz vor Halloween gibt es gruselige Clowns-Masken fast überall zu kaufen. Aber auch die Ladenbesitzer sind sich um der Hysterie bewusst. So möchte die Ladenbesitzerin, die hier nicht genannt werden möchte, diese bisher zum Verkauf angebotenen Masken aus dem Sortiment nehmen.

Als wären die Grusel-Clowns an sich nicht schon erschreckend genug, nutzen einige Menschen die Angst anderer aus, um die Hysterie voranzutreiben und für weiteren Schrecken zu sorgen. Auf diese Art und Weise Unruhe in die Öffentlicheit zu bringen ist in dieser ohnehin emotional aufgeladenen Atmosphäre, grob fahrlässig.

Janina Süß, 1. FS, MER

Facebook-Journalismus

Die Süddeutsche Zeitung ist für ihre Seriosität und Relevanz in der deutschen Medienbranche bekannt. Einmal wöchentlich erscheint als Beilage das Süddeutsche Zeitung Magazin, welches mit den Reportagen eine andere Seite der Süddeutschen Zeitung zeigt. Beim Besuch des Verlagshauses der Süddeutschen Zeitung zeigten un die Online- und Social Media Redakteure Marc Baumann und Wolfgang Luef, die uns neben den gedruckten Formen, die Süddeutsche Zeitung und Magazin, eine andere, neue Form des Journalismus zeigten, kennen.

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Fast jeder von uns benutzt heute Facebook. Jeder Selbständige, um auf seine Firma aufmerksam zu machen, Student um Kontakt mit Menschen zu halten, Eltern und Arbeitgeber und so weiter. Fast keiner kann sich nun den sozialen Netzwerken im Internet zurückhalten.

„Facebook ist ein ganz eigener Journalismus“, sagen sogar die Online- und Social Media Redakteure des Süddeutschen Zeitung Magazins.

Nicht nur Privatpersonen nutzen diese Plattform um sich zu präsentieren, sondern auch große Medienunternehmen wie Spiegel Online, BILD und natürlich das Magazin der Süddeutschen Zeitung.

Hier werden nicht nur die Artikel aus dem Süddeutschen Zeitung Magazin veröffentlicht, sondern spezielle Beiträge für Facebook entwickelt. So schafften unter anderem Marc Baumann und Wolfgang Luef, Online- und Social Media Redakteure des Süddeutschen Zeitung Magazins, innerhalb seit 2009 über 300 000 Likes und erreichten somit durch Facebook eine höhere Reichweite.

Auch bei diesem Journalismus muss man auf einiges achten. Dazu gehört die richtige Sprache, die das gewünschte Publikum erreicht, kurze und schnelle Beiträge verfassen, die auch Humor beinhalten sollen.

Für Journalisten reicht es also nicht mehr nur Artikel in Zeitungen, Magazinen, Blogs oder auf Internetseiten zu veröffentlichen. Auch der richtige Umgang mit Facebook, Twitter, Instagram und anderen Sozialen Netzwerken ist junge Medienmacher genauso wichtig.

Gemeinsames Basteln für den Weltfrieden

Do it yourself in der letzten Ausgabe der DELI Zeitschrift

Do it yourself in der letzten Ausgabe der DELI Zeitschrift

DIYs oder auch Do it yourselves sind Anleitungen wie man zum Beispiel selber einen hübschen Schrank baut, ein Blumenkranz bastelt, aktuell Adventskalender macht oder auch stricken lernt. Diese werden in Videos auf YouTube oder aber auch in Zeitschriften wie Flow oder Deli veröffentlicht. Ganz berühmt zurzeit in der YouTube – Welt ist außerdem der Me Time Tag. Dort erzählen die Blogger, hier vor allem Frauen, wie sie ihre Zeit verbringen während sie sich entspannen, was sie dabei essen, trinken, lesen, schauen und so weiter.

Wo sind denn bloß die ganzen Revolutionäre hin? Wo sind die Proteste, die noch in den 60er und 80er Jahren geführt wurden? Ist uns denn alles egal geworden? Hier entsteht das Gefühl, dass wir in einer ruhigen, problemlosen, kriegsfreien und friedlicher Welt leben. Leider ist aber zwischen Israel und Palästina immer noch nicht der Frieden eingekehrt, der Kalte Krieg zwischen Russland und der USA ist immer noch zu fühlen und es gibt immer noch Menschen auf der Welt, die hungern müssen. Genau vor dieser Realität verschließen sich manche Menschen.

Zu viele eigene, private Probleme, zu viel Arbeit, da man Geld verdienen muss und alles zu teuer geworden ist und dann droht die Gefahr eines Burnouts. Wir wollen alle mal zu Ruhe kommen, sich entspannen und sich Gedanken über die unwichtigen Dinge des Lebens machen. Warum auch noch zu Hause sich anstrengen, Sorgen machen und die Welt retten wollen, wenn man den ganzen Tag das eigene Leben zu recht biegen wollte.

Eine Folge von Slow TV, in der man 3 Stunden einer Zugfahrt folgen kann

Eine Folge von Slow TV, in der man 3 Stunden einer Zugfahrt folgen kann

Damit sich die Menschen entspannen können, haben sich auch die Norweger etwas ganz Besonderes einfallen lassen. „Slow TV“ ist der neue Trend aus Skandinavien auf dem Sender NRK, der anstatt von Doku-Soaps stundenlangen Schifffahrten zeigen. Die Zuschauer erwartet in verschiedenen Abständen Sendungen zum Stricken, Feuermachen oder demnächst vielleicht sogar “Ein Tag im Leben einer Schnecke”. Alles mit einem Inhalt über den man sich keine Gedanken machen muss, sich entspannen kann und die Probleme vergessen lassen.

Doch damit gehen leider nicht alle Probleme weg, die Terroristen werden nicht weniger und der Weltfrieden nicht erreicht. Aber die Tendenz geht immer mehr zum Augen verschließen vor dem Weltgeschehen.

Links:

Slow TV: https://www.youtube.com/watch?v=eyU3bRy2x44&list=PLQX2G3HwAfY9gIU0SVrwUr1f7NOY4zdMk

Ein Beispiel für Me Time Tag: https://www.youtube.com/watch?v=alKmmEOXN30