Blockchain, Künstliche Intelligenz und haufenweise Kugelschreiber

Warum es sich lohnt, auf Messen zu gehen? Weil man mit großer Wahrscheinlichkeit mit einer Tasche nach Hause geht, die bis zum Rand voll mit Kugelschreibern, Flyern und Werbegeschenken von Firmen ist, die man bis dahin nicht kannte, oder umgekehrt: Man möchte von den bekanntesten Unternehmen der Branche einen Jutebeutel, einen Block oder etwas Anderes haben – schon des Namens wegen. Die Give Aways scheinen Grund genug zu sein, um sich auf einer Messe wie den MEDIENTAGEN MÜNCHEN einmal umzusehen.

Wie die Technisierung die Medienwelt verändert  

Mehr als 7000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer und etwa 400 Expertinnen und Experten: Die MEDIENTAGE MÜNCHEN sind Europas größter Medienkongress. Das diesjährige Motto „Engage! Shaping Media Tech Society“ wurde drei Tage lang in Panel-Diskussionen, Keynotes und im Rahmen des Expo-Programms diskutiert. Im Fokus standen dabei Themen wie Blockchain, Künstliche Intelligenz, China und Publishing. Wer jetzt mindestens einmal die Stirn gerunzelt hat, ahnt vielleicht schon, dass man auf Messen nicht nur Give Aways, sondern auch reichlich Input sammeln kann, über aktuelle Tendenzen in der schnelllebigen Medienbranche. Beispielsweise versteht man unter dem Buzzword Blockchain (auf Deutsch „Blockkette“) vereinfacht eine stetig wachsende Datenbank, die eine große Menge von Datensätzen sammeln, analysieren und verschlüsseln kann. Dadurch lassen sich verschiedene Inhalte genau einem Urheber zuordnen. Im Zeitalter von Fake News wurde daher auf den MEDIENTAGEN diskutiert, welchen Einfluss Blockchain auf die Glaubwürdigkeit von Medien haben kann.

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Medien zum Anfassen

Weniger kryptisch und mehr praktisch zeigt sich das Expo-Programm, das sich vor allem an Young Professionals und Studierende aus dem Bereich Medien und Kommunikation richtet. Die kongressbegleitende Messe bietet unter anderem die Möglichkeit, Virtual Reality auszuprobieren oder auch zu networken: In der Recruiting Area präsentieren sich Unternehmen wie die Mediengruppe RTL oder ProSiebenSat.1 als potentielle Arbeitgeber. Bei einem längeren Plausch springt vielleicht nicht nur ein mehr oder weniger nützliches Gadget, sondern möglicherweise sogar ein Praktikumsplatz oder ein Job als Werksstudentin oder Werksstudent heraus.

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Noch lockerer geht es auf dem Mediencampus zu, der sich in diesem Jahr als Medien Saloon im Wilden Westen präsentiert. Wer sich nicht gerade in Moderation oder Kameraführung üben will, der hat sich nach all den Ständen, Gesprächen und Informationen eine Auszeit beim Bullriding verdient. Nach einer kurzen Pause hat man dann auch wieder genug Energie, um an Workshops teilzunehmen oder auf der Bühne verschiedenen Vorträgen zu lauschen. Gerade für Studierende ist es interessant zu hören, wie nach dem Studium der Einstieg in den Job gelingt. Was man machen kann, um seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen, und was von den Bewerberinnen und Bewerbern erwartet wird, habe ich Gregor Schmalzried (BR) und Doris Grau (Antenne Bayern) gefragt.

Eine Frage, zwei Seiten

Gregor Schmalzried (23) hat Anglistik studiert, lange Zeit beim Campusradio m94.5 (ein Angebot der MEDIASCHOOL Bayern) gearbeitet und ist jetzt für den Bayerischen Rundfunk tätig. Auf den Medientagen hat er zusammen mit Kevin Schieber (Radio Bamberg) über das „Sprungbrett Campusradio“ gesprochen.

Herr Schmalzried, was braucht es, um den Sprung von der Uni in das Arbeitsleben zu schaffen?

Alle Leute, die ich kenne, die in ihrem Job wirklich gut sind, ob RedakteurInnen oder ModeratorInnen, zeichnen sich dadurch aus, dass sie wirklich viel machen. Jeder hat mindestens ein Projekt, das er neben seiner eigentlichen Tätigkeit stemmt. Damit will man nicht unbedingt Geld verdienen, man macht das einfach gerne, weil es einem weiterhilft. Sei es Schreiben lernen oder Sprechen lernen, auch vor Publikum. Das kann Poetry-Slam sein, man kann einen Blog haben, man kann einen Podcast mit seinem Freund starten, selbst, wenn das niemand hört und man nicht berühmt wird. Es ist einfach hilfreich über die klassischen – akademischen – Ausbildungswege hinaus seine Zeit in kreatives Arbeiten zu investieren und auch neue Ideen auszuprobieren. Das geht nur, wenn man seine Freizeit gerne in solche Dinge steckt.

Gregor Schmalzried, Kevin Schieber und Moderator Sven Goblirsch (v.l.n.r.)

Gregor Schmalzried, Kevin Schieber und Moderator Sven Goblirsch (v.l.n.r.)

Doris Grau arbeitet bei der Unternehmensgruppe Antenne Bayern im Bereich Personal- und Finanzwesen. Auf der Mediencampus Bühne gibt sie Tipps und Tricks für eine erfolgreiche Bewerbung. Auch sie betont, dass bei Antenne Bayern bei redaktionellen Berufen Audio-Erfahrungen bereits vor dem Ausbildungsstart von Vorteil seien. Egal, ob ein eigener Podcast oder ein Praktikum, vor allem letzteres dient oft als Sprungbrett.

Frau Grau, was erwarten Sie von jungen Leuten, die sich bewerben?   

Das Allerwichtigste ist, dass sie Lust darauf haben, im Job zu gestalten. In unserem Fall als Audio-Entertainment-Haus, dass sie Lust haben, die Audio-Welt von Morgen mitzugestalten, sie sich einbringen. Wir wollen sehen, was sie schon können, um mitzuwirken, und auch, dass BewerberInnen selbstkritisch sagen, was sie noch nicht können und dazulernen wollen. Wir wollen so zusammenarbeiten, dass sich die BewerberInnen auch weitentwickeln, in die Richtung, die wir uns beide vorstellen. Einfach der starke Wunsch, Dinge zu bewegen.

Doris Grau und Moderator Sven Goblirsch (v.l.n.r.)

Doris Grau und Moderator Sven Goblirsch (v.l.n.r.)

Am Ende eines langen Tages hatte ich jedenfalls beides: Haufenweise Kugelschreiber und einen wirklich interessante Tag, mit vielen Eindrücken. Wer sich für Medien interessiert, hat nächstes Jahr im Oktober wieder die Gelegenheit, die MEDIENTAGE MÜNCHEN zu besuchen.

Beate Laurenti, 1. FS